Ernie Ball Paradigm Slinkys – Ran an die Bälle

 

Ernie Balls neue Paradigm-Saiten genießen das volle Vertrauen des Herstellers – darauf gibt es sogar eine Garantie. Sicher beruhigend für die Ball-Jungs, dass auch John Petrucci sie bisher nicht kaputt bekommen hat …

Eines ist sicher, die Amis können Geschichten erzählen, und wo der Deutsche harte Fakten für das richtige Argument hält, wenn er etwas verkaufen will, da sagen die Ernie-Ball-Jungs einfach: „The most advanced guitar strings known to man.“ Und schon klingt das irgendwie mehr nach Rock’n’Roll, ich kann mir nicht helfen. Geht man in medias res, so haben Ernie Ball dem Saitenwicklungsprozess definitiv die eine oder andere neue Nuance verliehen und bekräftigen ihr Vertrauen in den neuen Fertigungsprozess mit einer 90-tägigen Garantie auf Saitenriss oder Rost.

Das hätte es mal zu meiner Jugend geben sollen …. Was aber ist nun neu an den Paradigms? Zum einen wurde die Oberfläche in einem elektrolytischen Verfahren geglättet und soll Gevatter Rost so deutlich weniger Angriffsflächen bieten. Zum anderen erfolgt als zusätzliche Schutzmaßnahme nach dem Elektrolyte-Bad die Behandlung mit dem von Ernie Ball entwickelten Everlast-Verfahren, das auf Nano-Technologie beruht. Die komplette Saite wird dabei nach Fertigstellung mit Nano-Partikeln quasi bedampft.

Sie wird so unempfindlicher gegen Feuchtigkeit im Allgemeinen, Schweiß im Besonderen, aber auch der tägliche Unbill des Saitenalltags, wie etwa harte Schläge im hinteren Drittel mit der Plektrumkante, sollen deutlich weniger ins Gewicht fallen. Obendrauf kommt das, was Ernie Ball als plasma wrap wire bezeichnen. Da muss der Tester leider passen, so gut war er in Physik dann doch nicht. Für uns Gitarristen zählen aber – wenn wir ehrlich sind – ohnehin andere Maßstäbe. Wo sonst kann man Argumenten zustimmen wie: „Klar kann man’s nicht messen, aber ich hör’s halt trotzdem.“

Und das ist letztlich auch in Ordnung; wir betreiben hier ja unsere Leidenschaft und keine dröge Grundlagenforschung.

Ein wenig Arbeit


Nimmt man die Paradigms aus der Packung, so sind sie zunächst rein haptisch den klassischen Slinkys ganz ähnlich. Die drei blanken Saiten kommen mir – aber ich möchte meine Hand dafür nicht ins Feuer legen – ein wenig glatter vor, wenn man sie einmal zwischen Daumen und Zeigefinger durchgleiten lässt. Sie sind in Sachen Flexibilität ähnlich, mitunter aber ein wenig steifer, was mir persönlich entgegenkommt. Man darf durchaus noch ein wenig arbeiten, wie ich finde.

Aufgezogen und gestimmt sind sie schnell, eine zusätzliche Verstärkung der Saiten am Ball-End sorgt dafür, dass dort nur wenig Spiel vorhanden ist, an der Mechanik sorgt der Gitarrist selbst dafür: maximal drei Wicklungen sauber übereinander legen, am besten die erste Wicklung über die Restsaite, die anderen Wicklungen darunter (das ist quasi dann eine improvisierte Klemmmechanik), dann stimmen und kräftig an den einzelnen Saiten ziehen, um die Wicklungen sauber aufeinander zu legen – und fertig ist die Laube.

Die Paradigm-Slinkys verhalten sich klanglich im besten Sinne unauffällig; keine Frequenz ist überbetont, vielmehr zeigen sich Mitten und Bässe in angenehm knackiger Weise: die Höhen nicht spitz, sondern brillant, aber mit samtigem Abgang.

Sie sind also nicht unbedingt geeignet, einer muffigen Gitarre mehr Brillanz zu verpassen oder im Gegenzug einer Tele die knackigen Höhen zu entschärfen. Vielmehr kommt das gesamte Frequenzverhalten des Instruments in hervorragender Weise zum Tragen – die Paradigms arbeiten harmonisch mit der Gitarre zusammen und geben quasi keine 
Frequenzgewichtung vor. Alles kann, nichts muss, man kennt das ja. In Sachen Haltbarkeit hat der Tester darauf verzichtet, seine Gitarre an einer Saite durch die Luft zu wirbeln; 
diverse Wechsel zwischen Standard-, Drop-D- und Open-Tunings wurden hingegen durchweg klaglos weggesteckt. Erhältlich sind die Plasma-Arbeiter in nahezu jeglicher gewünschten Stärke:

.009 - .042
.009 - .046
.010 - .046
.011 - .048
.010 - .052
.011 - .054
.012 - .056
.010 - .056 (7-Saiter)
.010 - .062 (7-Saiter)


Die 90-tägige Garantie, so man sie denn braucht, kann man mittels Kassenzettel und dem sich in der Packung befindlichen Code in Anspruch nehmen.

Das bleibt hängen


Saiten sind keine Raketenwissenschaft, und dennoch ist es erfreulich, wenn sich eine Firma wie Ernie Ball dieses Themas annimmt, vor allem, wenn das Ergebnis dergestalt überzeugt. Auch wenn sie preislich nicht ohne sind, punkten die Paradigms haptisch und klanglich, was für mich persönlich die entscheidenden Faktoren sind.

Stephan Hildebrand

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