Avenged Sevenfolds Synyster Gates zwischen Jazz und Metal

 

Nachdem Mister Synyster Gates, der mit bürgerlichem Namen eigentlich Brian Haner heißt, über eine Stunde auf sich warten lässt, wird es hektisch. Das geplante Interview im Backstage-Bereich wäre zu knapp. Es geht ins Allerheiligste eines tourenden Musikers: in den Tourbus. „Hi, I'm Brian.“ So eröffnet Synyster das Gespräch, damit man auch weiß, wen man da vor sich hat.

Und dann geht’s in die Vollen: Seit Jahren ist Gates Gitarren von Schecter verfallen und hat hier sogar einige Signature-Modelle in Kooperation mit dem Hersteller entwickelt. Erst im Frühjahr dieses Jahres kam die Schecter Synyster Custom-S auf den Markt (getestet in guitar 3/2017, hier zum Nachlesen).


Klare Sache, dass sich die erste Frage um dieses neue Modell dreht, das über einen Sustainiac-Pickup am Hals verfügt. Zusätzlich hat der Gitarrist die Möglichkeit, durch einen zweiten Minischalter die Funktion des Sustainiacs zu variieren. So gibt es zum Beispiel einen Harmonic-Mode, durch den die Erzeugung von Obertönen leicht von der Hand geht. Natürlich ist genau diese Kombination Synysters bevorzugte Stellung auf der Gitarre. „Das macht einfach wahnsinnig viel Spaß“, schwärmt er. Aber warum ist nun ausgerechnet Schecter seit Jahren Synysters Nummer eins? „Sie waren die erste Firma, die mir eine Signature-Serie angeboten hat. Und sie haben es geschafft, die Evolution meines Spiels mit der Evolution der jeweiligen Gitarren zu vereinen. Im Studio benutze ich auch andere Instrumente, aber live kann ich einfach nicht auf Schecter verzichten.“


Hörbares Chaos


Beim mittlerweile siebten Studioalbum "The Stage" haben Avenged Sevenfold inhaltlich auf ein Konzeptalbum gesetzt. Das Thema: künstliche Intelligenz. Die Songs sind in gewohnter Überlänge. Es sind auffällig viele Synthesizer und Keyboards zu hören, die meistens in härtere Klänge münden. Im Fall vom Song „Higher“ endet es sogar mit einem Chor. Auf diese ausgefallene Konzeption der Songs ist Synyster Gates besonders stolz. „Das Beste an dem Album sind die Arrangements. Schon beim ersten Anhören kann man das verrückte Chaos spüren. Beim zweiten Durchgang bemerkt man dann, dass wir uns viel Gedanken darüber gemacht haben und Musik jahrelang studiert haben. Die ganze Band mag es, klassische und Jazz-Elemente umzusetzen. Anstatt also nur Standardakkorde zu holzen, experimentieren wir viel mit Umkehrungen und Erweiterungen.“

 

 

"Übung macht dich nicht perfekt, aber perfekte Übung schon!"  - Synyster Gates


Auch hinsichtlich des Equipments hat sich einiges getan, wie Synyster zu berichten weiß: „Wir haben angefangen, sehr viele Pedale zu nutzen, am liebsten von Wampler und Electro-Harmonix.“ Synysters Divise zur Motivation: „Übung macht dich nicht perfekt, aber perfekte Übung schon!“ Er lacht. Weniger bekannt ist, dass Synyster am MI nicht etwa Rockmusik oder ähnliches studierte, sondern Klassik und Jazz. Synyster Gates Familie, insbesondere sein Vater Brian Haner Senior, seine Cousins und Onkel sind Jazz-Musiker. „Eigentlich ist es sehr seltsam, dass ich in die Metal- und Rock-Schiene geraten bin. Mich haben die abgefahrenen Techniken beim Metal einfach fasziniert.“ Seinen Vater hat Synyster jedoch zum Metal verführen können – seit dem dritten Studioalbum "City of Evil" ist er hin und wieder auf den Alben zu hören. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel sind hier die zweistimmigen Solo-Eskapaden von Vater und Sohn beim Song „Sidewinder“.



Vom Jazz-Background des Avanged-Sevenfold-Gitarristen ist eine Stunde später auf der Bühne kaum noch eine Spur zu finden. Zwischendurch wieder ganz wie in alten Zeiten mit schwarzem Kayal beschmiert und mit einer dicken, nietenbesetzten Lederjacke bekleidet, wirkt Synyster Gates fast ein bisschen bedrohlich – und wie die Coolness in Person.

Wäre da nicht hin und wieder das verschmitzte Lächeln auf seinem Gesicht, in den Momenten, wenn er seinem Hellraiser besonders viel Gehör verschaffen kann und neben seinem Bandkollegen und Schwager M. Shadows das vordere Bühnenpodest betritt.




Das vollständige Interview mit mehr Informationen zu Synyster Gates Equipment und seiner Meinung zum Amp Profiling findet ihr in der kommenden guitar-Ausgabe, die ab 24. April im Handel erhältlich sein wird! Wer keine Lust auf den Weg zum Kiosk hat, kann sie sich hier ab Montag auch bequem nach Hause liefern lassen.


Fotos: Getty Images, Natalie Meyer

Text: Natalie Meyer

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