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Das Leben als GIT-Student - Die Fächer am Montag

Dienstag, 23. Februar 2010

Mittlerweile bin ich nun seit etwa zwei Monaten in LA und seit ungefähr fünf Woche am Studieren. Bis jetzt gefällt es mir sehr gut hier. Diesmal schreibe ich wie angekündigt endlich über die einzelnen Fächer, die ich hier am GIT habe.

 

Montag

Am Montagmorgen beginnt die Woche für mich pünktlich um 9 Uhr mit einem der Hauptfächer bei Bruce Buckingham. In „Single String Improvisation“ geht es hauptsächlich darum, die unterschiedlichen Skalen, Skalenformen und die dazugehörigen Licks zur Improvisation zu lernen. So werden in Level 1 ausführlich die Pentatonik und die Dur- und Moll-Tonleitern behandelt. In Level 2 (in dem ich gestartet bin) werden die Blues Scale, Blues-Scale-Variationen und die Modes mit Variationen behandelt. Dabei wird hier nach einem komplett anderen System vorgegangen, als ich es zuvor in Deutschland gelernt hatte. Ich hatte hauptsächlich 3-note-per-string-Skalen gelernt und diese dann untereinander verbunden. Die Modes hatte ich mir so erarbeitet, dass ich einfach jeden Modus als eine Stufe der zugrunde liegenden Dur-Tonleiter gesehen habe (in C also Start von C = Ionisch, von D = Dorisch, von E = Phrygisch ...usw.). Hier am GIT werden die Skalen nicht einfach untereinander verbunden, sondern mit einer Oktavform oder der jeweiligen Akkordform verbunden (einigen von euch vielleicht bekannt unter dem Namen CAGED-System). Auch die Modes werden nicht nur als Stufe einer Tonleiter gesehen, sondern als eigene Skalen betrachtet. Das hilft vor allem beim Improvisieren in den einzelnen Modes, da dadurch nahezu sichergestellt ist, dass der Modus auch nach dem Modus klingt und nicht nach der zugrunde liegenden Dur-Tonleiter, da man eigentlich automatisch mehr Gewicht auf den Grundton des Modus legt. Wenn man dann auch noch die charakteristischen Intervalle des jeweiligen Modus spielt ist man auf der sicheren Seite. Da ich das alles bis jetzt jedoch anders gelernt habe, ist dieser Ansatz für mich komplett neu und ich hab eine Menge Material in kurzer Zeit zu lernen. Mit all diesen Problemen muss ich mich also in „Single String Improvisation“ auseinandersetzen.

 

Um 10 Uhr geht es weiter mit „Rhythm Guitar“, ebenfalls bei Bruce Buckingham. In diesem Fach werden die Akkorde (wie auch bei den Skalen passend zu den jeweiligen Oktavformen), unterschiedliche Voicings und gängige Rhythmen gelernt. Bei mir in Level 2 werden hauptsächlich Vierklänge behandelt.

 

Nach einer Stunde „Rhythm Guitar“ habe ich erstmal eine Stunde Pause. Pausen hat man am MI sowieso viele. Wenn sie lang sind, kann man nach Hause gehen und bei kurzen Pausen kann man sich die Zeit in der Library oder in einem der Übungsräume (falls denn einer frei ist) mit Üben vertreiben.

 

Um 12 Uhr geht es mit „Guitar Reading“, also quasi Blattspiel, bei Andrew Dolittle weiter. Da ich nicht wirklich gut in Blattspiel bin, bin ich hier in Level 1. In diesem Fach werden simple Rhythmen geklatscht oder gespielt, bestimmte Begriffe und Schreibweisen erläutert, die im Blattspielalltag auftauchen, und zu guter Letzt natürlich vom Blatt gespielt. Begonnen wird hier am MI nicht wie zu erwarten in der ersten Lage sondern in der Fünften. Es werden ziemlich schnell alle Noten eingeführt und anhand von einfachen bis mittelschweren Stücken geübt. Zusätzlich  gibt es alle paar Wochen die sogenannten „In-class Performances“. Hierbei wird man in eine Gruppe von zwei bis vier Personen eingeteilt, muss mit den anderen ein mehrstimmiges Stück erarbeiten und dieses in der Klasse vortragen.

 

Nach einer weiteren Stunde Pause geht es um 14 Uhr mit dem „Rhythm Section Workshop“, dem sogenannten „RSW“, weiter. Im RSW werden die in „Single String“ und „Rhythm Guitar“ gelernten Dinge in die Praxis umgesetzt. Pro Woche müssen hierfür zwei Stücke gelernt werden, welche dann zusammen mit einer Rhythmusgruppe (Schlagzeug & Bass) in die Praxis umgesetzt werden. In der Regel handelt es sich bei den Stücken um ein leichtes und ein schwereres. Dabei variiert die jeweilige Stilistik der Stücke fast jede Woche. So haben wir schon Blues, Rock, Funk, oder auch R’n’B-Songs gespielt. Nach dem Vortragen der Songs wird das Ganze von einem Lehrer bewertet und es werden Verbesserungsvorschläge gegeben. Das Gute am RSW ist, dass die 15 Personen mit denen ich die Hauptfächer habe, in zwei Gruppen aufgeteilt werden, also in einer RSW Gruppe normalerweise nur acht Personen sind. Da aber dann meistens (für mich unerklärlicher Weise) auch noch drei oder vier Personen fehlen, kann es schon mal vorkommen, dass man genügend Zeit hat, die Songs zwei oder sogar drei Mal zu spielen.

 

Nach zwei Stunden RSW ist um 16 Uhr der erste Schultag der Woche zu Ende. Aber es ist ja nicht so, dass man sich, sobald man aus der Schule kommt, entspannen kann. Nein, nach der Schule beginnt eigentlich erst der harte Teil des Tages, denn nun muss man sich daran machen, das Gelernte auch wirklich in seinem Kopf zu behalten. Und das ist gar nicht so einfach, da hier am MI eine regelrechte Reizüberflutung stattfindet. Neben den ganzen Skalen, Akkorden und Rhythmen hört  man hier zusätzlich noch ca. zehn (und das ist eigentlich noch untertrieben) gute Licks am Tag, die man am liebsten noch lernen will und in sein Vokabular integrieren möchte. Da man aber einfach nicht alles in seinen Kopf bekommt, muss man hierbei sehr stark selektieren und somit landen die meisten Licks erst einmal auf der „Warteliste“. Allein in den ersten Wochen habe ich zwei dicke Aktenordner an Material zusammen bekommen. Um das ganze Material, dass man hier bekommt komplett zu bearbeiten bräuchte man eigentlich einen 30-Stunden-Tag. Ich denke, dass dies einer der Nachteile am MI ist. Da man soviel lernen muss, werden zum Beispiel viele der Songs und Licks nur im Kurzzeitgedächtnis gespeichert und schnell wieder vergessen. Daher probiere ich, mir möglichst alles, was ich hier mitbekomme, zu notieren, damit ich auch nach meiner Zeit hier am MI daran weiter lernen kann.



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