Backline: All Them Witches

Wir haben All Them Witches kurz vor ihrem Gig im Hamburger Grünspan getroffen und über das Live-Equipment der Band geplaudert.

Ihr verfügt live als Band über einen extrem ausgefuchsten und transparenten Live-Sound. Das ist nicht zuletzt eurem durchdachten und sehr speziellen Instrumenten-Setup zu verdanken. Charles, wie hast du zu deinem fuzzigen Bass-Sound gefunden?

Charles Michael Parks: Ich fing ursprünglich als Gitarrist an. Da mein Dad aber Bassist war und immer zusammen mit Schlagzeugern spielte, faszinierte mich als Gitarrist schon sehr früh die besondere Verbindung, die eine Rhythmussektion zusammen hat. Vielleicht ist gerade deswegen die musikalische Verbindung zwischen mir und unserem Drummer Robby [Staebler] so stark. Ich halte mich selbst für einen recht schludrigen Bassisten, der aber immer versucht, sich bei seinem Spiel direkt am Drummer zu orientieren. Als Basser ist es mir wichtig, dort im Mix aufzutauchen, wo die Gitarristen mit ihrem Sound nicht sind.

Dein Rickenbacker sieht abgefahren und etwas „abgeschnitten“ aus.

Charles: Ja, es ist ein alter Rickenbacker, dem die „Hörner“ abgeschnitten wurden. Der Typ, dem der Bass vor mir gehörte, war ein Linkshänder. Um besser bei dem Bass in die höheren Lagen zu kommen, hat er ihn sich etwas zurechtgeschneidert.

Eines Tages wird das dein Signature-Bass …

Charles: Er ist es jetzt schon, denn es ist der einzige Bass, den ich besitze. Ein guter Freund von mir baut mir zwar gerade eine Kopie von diesem hier, aber bis der fertig ist, wird es noch etwas dauern. An dem Bass sind ansonsten alle Teile noch original – bis auf die Mechaniken, den Sattel und die Bünde. Der Bass bekam vor Tourstart eine Neubundierung. Das Baujahr ist 1972.

Seine „kleine ältere Schwester“ ist eine Gitarre von Rickenbacker. Es ist eine 1966er Rickenbacker 45012. Als ich sie kaufte, bestand die Gitarre nur aus dem Hals, dem Body und dem Pickguard. Ich habe sie zudem von einer Zwölfsaitigen in eine Achtsaitige umgebaut. Hierzu musste ich den Sechsaitensteg umbauen. Ich baute bei den hohen Saiten Reiter ein, die die doppelten Saiten tragen können. Die Potis sind jeweils zwei Volume- und ein Tone-Regler.

Wie ist sie gestimmt?

Charles:
Sie ist in D, A, C, G, A, E gestimmt. Vor einem Jahr kam ich auf dieses Tuning. Die einzigen Leute, die ich bis dahin mit einem solchen Tuning gesehen habe, waren Fingerpicker oder Tapper. Es hört sich auf dieser Gitarre wie eine Sitar an.

 

Die Tonabnehmer sind aber auch nicht von Rickenbacker … Charles: Nein, die Pickups sind Duotones von TV Jones. Ursprünglich wurden sie einmal von Chet Atkins mit entworfen, dann Jahre lang nicht mehr gebaut. Jetzt kann man sie von TV Jones kaufen. Das Pickguard habe ich dementsprechend für die Pickups ausfräsen müssen. Du bevorzugst eine recht flache Saitenlage; zusätzlich fühlen sich die Saiten beinahe wie Flatwounds an. Charles: Es sind in der Tat Halfwounds. Ich mag das, weil ich häufig zwischen Picking und Distortion-Sounds wechsle. So fühlen sich die Saiten für mich einfach besser an.

Welche Effekte benutzt du live auf dieser Tour?

Charles: Normalerweise habe ich zwischen sechs und acht Pedalen auf meinem Board. Auf dieser Tour habe ich mein Effektearsenal etwas geschrumpft. Geblieben sind jetzt das Sub Machine Octave Fuzz von MXR – ein klasse Pedal, das die Suboktave großartig hervorhebt. Man kann zudem wahlweise die Oktave oder nur das Fuzz hinzuschalten. Der Little Samson von Greer Amps ist ein wahres Wunder in Sachen Marshall-Plexi-Sounds.

Schleifst du einige von deinen Effekten ein?

Charles: Nein, das ganze Board kommt zwischen Bass und Verstärker. Ich bin nicht schlau genug, um mir da irgendwie eine abgefahrene Extraschaltung auszudenken.

Kommen wir zu Bens Gear. Welche Gitarren setzt du live für deinen Sound ein?

Ben McLeod: Meine Hauptgitarre ist eine Gibson Les Paul Traditional. Es ist kein altes Vintage-Instrument. Ich habe sie 2010 in einem Guitar Center gekauft. Sie ist meine Lieblingsgitarre, und ich habe sie etwas aufgemotzt.

Schieß los, was ist neu?

Ben:
Sie verfügt nun über einen Knochensattel, und neben anderen Potis habe ich am Steg noch einen Super Distortion von DiMarzio nachgerüstet. Am Hals befindet sich immer noch der '57er-PAF von Gibson. Diese Gitarre ist auf all unseren Alben zu hören und wird auch auf allen zukünftigen Alben und Liveshows von uns zu hören sein. Meine andere Gitarre, die ich seit Dezember vergangenen Jahres habe, ist eine T2 Severn Trem von Knaggs. Zu Hause habe ich noch eine Sheyenne von Knaggs, die ich durch einen frechen Zufall ebenfalls von Joe Knaggs bekam.

Und wie haut man Joe Knaggs auf eine zweite Gitarre an?

Ben:
Ich schrieb ihm vor ein paar Monaten einfach nur so, dass seine Sheyenne-Modelle, die allesamt etwas größer und im halbakustischen Format gebaut werden, total großartig aussähen. Ich dachte mir überhaupt nichts dabei. Und er schrieb mir nur zurück: „Alles klar, ich schick dir eine raus.“ Ich habe die Sheyenne nur jetzt nicht dabei, weil sie einfach zu groß für mein Case ist, um sie auf eine Tour mitzuschleifen. Hier ist noch eine Telecaster, die übrigens im gleichen Tuning gestimmt ist wie Charles’ Rickenbacker. Ich habe ihr am Hals einen Super Distortion verpasst. So ist sie live schön laut, wenn ich auf den Halspickup schalte.

Hier könnt ihr ins aktuelle Album reinhören:


Wie sieht es bei dir mit Effekten aus?

Ben: Ich liebe mein Wah-Pedal von Dunlop. Mein wahrscheinlich wichtigstes Pedal ist mein Blues Driver von Boss. Das Pedal ist bei mir immer an. Alles andere regele ich über den Volumenregler meiner Gitarren. Zudem schwöre ich auf mein Boss DD-5. Ich habe schon hunderte Delays ausprobiert, aber das hier klingt für mich am besten. Das Sonar Vexter, ein Tremolo von Zvex, ist der Knaller. Das Pedal liefert einen ähnlich genialen Tremolo-Sound, wie man ihn sonst nur von Fender kennt. Es ist zusätzlich in der Lage, zig weitere Tremolo-Sounds zu erzeugen – ein sehr vielseitiges Pedal, denn es liefert ebenfalls einen tollen Fuzz-Sound.

Das Holy Grail von EHX kommt bei mir live besonders bei Jams zum Einsatz. Es liefert, wenn ich will, einen ganzen Ozean an Reverb. Das Alabaster-Fuzz von der Firma Stomp Under Foot ist unser All-Them-Witches-Signature-Pedal …



Fotos & Text: Marcel Thenée

(Aufmacher: Oktober Promotion)

Ben McLeod mit Knaggs Severn Trem und Gibson Les Paul Traditional mit Super Distortion

Ben McLeod mit Knaggs Severn Trem und Gibson Les Paul Traditional mit Super Distortion