Can-Bassist Holger Czukay gestorben

Der Bassist der deutschen Avantgarde-Band Can, Holger Czukay, ist tot. Laut Medienberichten wurde die Leiche des 79-jährigen Musikers in seiner Wohnung, einem ehemaligen Studio, von einem Nachbarn gefunden.

Czukay wurde am 24. März 1938 als Holger Schüring geboren, stieg im Alter von 22 Jahren in eine Jazzband ein und studierte ab 1963 bei Karlheinz Stockhausen, der an der Musikhochschule Köln „Komposition“ unterrichtete.

1968 gründete Czukay zusammen mit dem Keyboarder Irmin Schmidt das experimentelle Kollektiv Can, das musikalische Elemente aus Jazz und Psychedelic-Rock verband. Mit der Band, zu der unter anderem der Drummer Jaki Liebezeit und der Gitarrist Michael Karoli zählten, nahm Czukay in den Siebzigern zahlreiche Platten auf und machte mit seinen Mitstreitern Can zu einem der Aushängeschilder des Krautrock, das auch international erfolgreich war.

Insbesondere das 1970 veröffentlichte Album „Can Soundtracks“ fand ein breites Publikum, da es Filmmusik zu verschiedenen deutschen Fernsehfilmen enthielt. Auch in der Folgezeit lieferten Can musikalische Beiträge etwa zu deutschen Krimis.

Nach seinem Ausstieg 1977 war Czukay solo und mit anderen Musikern wie U2-Gitarrist The Edge (auf der Mini-LP „Snake Charmer“), Peter Gabriel, Brian Eno, den Eurythmics oder Trio tätig. Can lösten sich bereits im Folgejahr auf, taten sich 1986 – inklusive Czukay – jedoch wieder zusammen. 2012 brachte die Band mit „The Lost Tapes“ zuvor unveröffentlichtes Material aus den Jahren 1968 bis 1972 mit einer Spieldauer von 30 Stunden (!) heraus. Holger Czukay verstarb am 5. September 2017, nur fünf Wochen nach seiner Frau Ursula und rund sieben Monate nach dem Can-Schlagzeuger Jaki Liebezeit. Die Todesursache ist bislang ungeklärt. R.I.P., Holger!

Holger Czukay live

Foto: Chris Walter/WireImage