Cream – Disraeli Gears: Masterpieces

Der Begriff „Supergroup“ wird immer dann bemüht, wenn sich bereits anderweitig etablierte Künstler unter einem neuen Banner zusammentun. Das britische Rock-Trio Cream hat die Bezeichnung „Supergroup“ quasi miterfunden und trotz intensiv-kurzer Karriere ein beeindruckendes Erbe hinterlassen.

In den sechziger Jahren ist die britische Rock- und Pop-Musik das Maß beinahe 
aller Dinge. Die Rolling Stones und die 
Beatles gehören zu den populärsten Künstlern des Erdballs, doch auch in der vermeintlich zweiten Reihe tummeln sich reihenweise großartige Bands und Musiker.

Wie die Yardbirds, bei denen seit 1963 ein seinerzeit gerade mal 18 Jahre alter, aber extrem talentierter Gitarrist namens Eric Clapton für Furore sorgt. Dessen große Liebe ist der Blues, seine Helden heißen B. B. King oder Buddy Guy, und gemeinsam mit seinen Bandkollegen erschafft er eine erdige Mischung aus Rock’n’Roll und Blues, die es besonders dem Gitarristen ermöglicht, Glanzlichter zu setzen.

Ihr erster größerer Hit „For Your Love“ läutet dann eine Veränderung in Richtung poppiger Klänge ein, die Clapton überhaupt nicht schmeckt, weswegen er im April 1965 zu John Mayall & the Bluesbreakers wechselt. Seinen Posten bei den Yardbirds übernimmt erst ein gewisser Jeff Beck, der später von der zukünftigen Led-Zeppelin-Legende Jimmy Page abgelöst wird.

Ein explosives Gemisch

Die Liaison von Clapton und den Bluesbreakers hält kaum länger als ein Jahr (ersetzt wird er durch Peter Green), dafür kreuzt sich sein Weg mit dem Ginger Bakers. Der 1939 geborene Schlagzeuger wird, ähnlich wie Clapton, von Fans und Kritikern für sein mit Alexis Korner oder der Graham Bond Organization gezeigtes musikalisches Können in den höchsten Tönen gelobt.

Beide schätzen den jeweils anderen musikalisch sehr, und nach einem Auftritt von Clapton lernen sie sich kennen, als Baker dem Gitarristen eine Mitfahrgelegenheit ins heimische London anbietet. Man kommt ins Plaudern und stellt schnell fest, dass jeder von ihnen in seiner jeweiligen Formation todunglücklich ist.

Ginger erzählt von seiner Idee einer neuen Band, Eric stimmt sofort begeistert zu, allerdings nur unter der Bedingung, Jack Bruce, den er aus dem Bluesbreakers-Umfeld kennt, als Bassisten dazuzuholen. Wie sich Clapton in seiner Autobiografie erinnert, baut Baker aus Entsetzen über diesen Vorschlag beinahe einen Unfall.

Angesichts der Vorgeschichte der möglichen Rhythmussektion verwundert diese 
Reaktion nicht. Der 1943 geborene, aus einer musikalischen Familie stammende Schotte Bruce und Baker haben zwar bereits mehrfach zusammengespielt, kommen aber auf menschlicher Ebene nicht miteinander aus.

Ihre Differenzen gipfeln in gegenseitiger Instrumentensabotage auf der Bühne; Jack Bruce will sich später sogar an ein gezücktes Messer erinnern können. Doch diese Konstellation ist künstlerisch so vielversprechend, dass die beiden Streithähne einen Burgfrieden schließen – sei dieser auch noch so fragil.

Da die drei Musiker ohnehin zu den besten der britischen Szene zählen, fällt die Wahl des Namens nicht sonderlich schwer: Wer als allererste Sahne gilt (auf Englisch: cream of the crop), der darf sich auch so nennen. Definitiv die bessere Wahl als das von Clapton vorgeschlagene Sweet'n'Sour Rock’n'Roll.

Respektabler Start

Im Sommer 1966 feiert die Band bereits ihre Live-Premiere; mangels Eigenkompositionen setzt man noch vorwiegend auf mehr oder weniger bekannte Blues-Standards wie Willie Dixons „Spoonful“ oder „Cat's Squirrel“ von Doctor Ross.

Während die Musiker einen Gig nach dem anderen absolvieren („Irgendwann standen draußen vor der Tür noch mehr Menschen als drinnen“, blickt Baker zurück), arbeiten sie parallel an ihrem Albumeinstand Fresh Cream, der zum Jahresende erscheint.

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Cream Band Supergroup

Als Gruppe super (v.l.): Ginger Baker, Eric Clapton, Jack Bruce alias Cream