Dan Auerbach: „Ich bin süchtig danach, im Studio zu arbeiten“

Mit Waiting on a Song hat sich Dan Auerbach einen Traum erfüllt. In seinem „Easy Eye Sound“-Studio versammelte er eine handverlesene Schar von Könnern und spielte mit ihnen ein grandioses Album ein. Der Black-Keys-Frontmann ist damit endgültig in seiner Wahlheimat Nashville angekommen.

Dan, dein neues Album heißt Waiting on a Song. Allerdings hast du alles andere als gewartet, sondern mit deinen Songwriting-Partnern Dave Ferguson und Pat McLaughlin [siehe Kasten] nach einem festen Zeitplan gearbeitet. Jeden Morgen ab neun Uhr habt ihr zusammen gesessen und an den Tracks gefeilt. Wie war das für dich?
Dan Auerbach: Es war großartig, und dabei ebenso unterhaltsam wie aufregend. Mal hatte der eine von uns die heiße Hand, mal ein anderer. Die anderen beiden pickten die Ideen dann auf.

Hast du eine spezielle Gitarre für diese Sessions benutzt?
Meist habe ich eine Gibson-Everly-Brothers-
Acoustic aus den 1960er Jahren verwendet.

Im Leaflet der Plattenfirma steht, dass Dave und Pat ebenso wie du „süchtig nach Songschreiben“ sind …

Ich bin süchtig danach, im Studio zu arbeiten. Es gibt mir ein echtes Hochgefühl, wenn ich etwas aus dem Nichts kreiere und es dann so hinkriege, dass es wirklich funktioniert. Nichts fühlt sich besser an.

Man sieht dich oft mit alten, außergewöhnlichen Gitarren, etwa einer Supro Martinique, einer Guild Thunderbird oder einer Custom Kraft, allesamt aus den ’60ern. Welche Gitarre hast du auf dem Cover des neuen Albums in der Hand?
Eine Kent Americana. Die verwende ich andauernd. Ich habe sie seit sechs oder sieben Jahren.

Kann man sagen, dass du generell Vintage-Equipment einsetzt?

Bis zu einem gewissen Punkt. Die Platte haben wir allerdings zum Großteil digital aufgenommen, mit Pro Tools. Aber wir haben darauf viel altes Equipment gespielt. Ich bevorzuge klassisches Zeug aus den ’50er und ’60er Jahren. Es ist ideal für die Musik, die ich machen mag, und es klingt wirklich gut.

Könntest du diesen Vibe und Sound auch mit aktuellem Equipment erzeugen, etwa einer neuen Fender American Professional Strat?
Ich kann das mit allem machen. So wichtig ist es mir dann auch nicht. Strats sind großartig. Ich habe auch eine und benutze sie regelmäßig. Ebenso meine Telecaster. Die habe ich über die Jahre wohl am meisten auf meinen Platten verwendet.

Welche Verstärker hast du auf dem Album gespielt?

Die gleichen, die ich immer verwende. Ich benutze stets kleine Amps, weil sie einfach besser klingen. Jeder kleine Fender-Amp ist klasse. Und dann gibt es die ganzen kleinen Firmen wie Kalamazoo. Die machen auch tolle Verstärker. Also auch hier: alte Bekannte. Das meiste schon. In meinem Studio ist alles fest aufgebaut und wird nicht bewegt. Das Schlagzeug steht seit Jahren so rum – es wird nicht verändert, auch wenn unterschiedliche Bands kommen und gehen. Alles bleibt, wie es ist. Das gilt auch für die Amps.

Auf den Songs hört man auch Bläser, Streicher und gar ein Glockenspiel. Wie kommt die Instrumentierung zustande? Hast du solche Ideen schon beim Schreiben?


Manchmal hört man etwas beim Schreiben eines Songs, aber die meisten Arrangements passieren erst am Aufnahmetag. Dort kommen alle Musiker zusammen, sechs oder sieben, und wir arbeiten das Arrangement gemeinsam aus. Das ist sehr altmodisch, aber genau das liebe ich: eine Gruppe von Leuten, die live zusammen spielt, und das Spezielle, das daraus erwachsen kann. Es ist eine Art Kleber.

Was war das Interessanteste, das du bei dieser Platte gelernt hast? 

Eines der wichtigsten Dinge war, nicht zu sehr über alles nachzudenken, sondern einfach das zu machen, was dir in den Sinn kommt. Wir haben heute die Tendenz, mit all unseren Computern und iPhones jede noch so kleine Information zu verarbeiten und zu sehr über Sachen nachzudenken. Dabei ist es schön, die Dinge einfach laufen zu lassen. Das habe ich von den alten Typen gelernt, die seit Ewigkeiten Platten machen.

Du hast dir jede Menge Hochkaräter ins Studio geholt. Wie war die Arbeit mit ihnen?

 Es hat mein Leben verändert. Ernsthaft. Das sind die großartigsten Musiker, mit denen ich je gearbeitet habe. Sie sind auf ihren Instrumenten allesamt auf einem Niveau mit Dr. John. Einen Raum voll mit diesen unfassbar guten Musikern zu haben, ließ mich noch härter arbeiten. Das habe ich sehr genossen. Seit den Anfängen der Black Keys spielst du erdige Musik. Jetzt hast du mit einigen Großmeistern der Roots-&-Country-Szene gearbeitet. Hat sich damit ein Kreis geschlossen? Vielleicht als ich [vor sieben Jahren] nach Nashville gezogen bin. Ich liebe die Musik dort und fühlte mich als Teil davon, obwohl ich keinen dort kannte. Ich bin hingezogen in der Hoffnung, dass so etwas passieren würde. Nach Jahren des Tourens geschah es dann tatsächlich. Es hat allerdings ein bisschen gebraucht, an diesen Punkt zu kommen. Viele Musiker – von Chris Isaak bis Rise Against – habe ihre aktuellen Alben in Nash-ville aufgenommen.

Was ist so besonders an dieser Stadt?

Es ist Music City USA. [lacht] Nashville wird von der Musikindustrie unterstützt. Das kann man über sonst keine Stadt in der Welt sagen. Dort passieren die verschiedensten Dinge, denn in jedem Studio, das Pop-Country-Smash-Hits produziert, arbeiten zwei oder drei Leute, die auch in anderen, kleineren Studios aktiv sind. Dort machen sie ganz andere, verrückte Sachen. Außerdem unterstützen sich alle gegenseitig. Es ist eine gute Gemeinschaft von Musikern.

Zum Ende noch eine ganz spezielle Frage: Wer ist deiner Meinung nach der beste Songwriter aller Zeiten? 

Oh Mann … Vielleicht Roger Miller [1936-1992, „King of the Road“]?

Ich wollte nur wissen, ob es jemanden gibt, den du besonders bewunderst, und der dich inspiriert hat.


Ja, ich sage Roger Miller. Er war rootsy, er war kreativ und immer sehr interessant.

 

Text: Chris Hauke

Fotos: nonesuchrecords

Dieses Interview erschien in der guitar 7/17

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Dan Auerbach im Studio

Dan Auerbach im Studio