Die Gitarre hinter dem Weihnachtslied "Stille Nacht"

Vor 200 Jahren wurde das legendäre Lied "Stille Nacht" in Österreich komponiert. Hinter dem Stück steckt nicht nur eine spannende Geschichte, sondern auch eine reiselustige Gitarre.

Wir Gitarristen kennen das: Ob Profi oder Anfänger, zu Weihnachten holt jeder seine Gitarre raus, um die alljährlichen Weihnachtslieder im Familienkreis anzustimmen. Mit dabei ist immer auch das Lied über den Heiligen Abend selbst: "Stille Nacht".

(Wenn ihr ein fortgeschrittener Gitarrist seid, findet ihr hier Tipps, wie ihr das Weihnachtslied "Ihr Kinderlein kommet" kreativ umsetzen könnt. In nur  5 Schritten zur eignen Interpretation im Weihnachtsspecial von guitar acoustic)

Wer steckt eigentlich hinter dem Lied?

Der österreichische Hilfspfarrer Joseph Mohr verfasste es in der Gemeinde Mariapfarr im Lungau. Das Gedicht schrieb er im Jahr 1816. Die Melodie steuerte der Lehrer Franz Xaver Gruber bei. Am Weihnachtsabend wird es dann 1818 in der St. Nikolaus Kirche in Oberndorf bei Salzburg von den beiden erstmals gesungen. Das Lied sollte der Gemeinde wohl Hoffnung schenken, entstand es doch in einer Zeit der Hoffnungslosigkeit. Kurz nach den Napoleonischen Kriegen herrschten Not und Verzweiflung in Europa. Kein Wunder also, dass es heute als Friedenslied weltweit Anklang findet.

Doch was hat das alles nun mit einer Gitarre zu tun? Kirchliche Lieder wurden und werden schließlich traditionell auf der Orgel gespielt. Warum es nun zum Einsatz der Gitarre in der Kirche kam, ist nicht zu hundert Prozent überliefert. Allgemein besteht die Annahme, die Orgel sei nicht bespielbar gewesen. Mäuse sollen das Instrument angefressen haben.

Fest steht, dass Mohr tatsächlich Gitarrist war und Mohr Komponist Gruber am 24. Dezember 1818 den Auftrag erteilte, sein Gedicht für zwei Männerstimmen und eine Gitarre zu komponieren.

So könnte sich "Stille Nacht" 1818 angehört haben:

 Mohr starb nur knapp 30 Jahre nach der Premiere seines heute zu berühmten Stücks „Stille Nacht, heilige Nacht“. Todesursache war eine Lungenlähmung im Rahmen einer Erkältung. Der einzige materielle Gegenstand, der von ihm erhalten geblieben ist? Seine Gitarre.

Eine Gitarre auf Weltreise

Es handelt sich damals – man bedenke, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – um ein recht einfaches Instrument. Mohr soll viele Stunden damit verbracht haben, auf ihr zu spielen.
Als Mohr unter Musikantenkollegen mal erzählte, dass das Lied „Stille Nacht“ auf ihr entstanden sei, begann die Magie um das Instrument zu wirken. So soll die Weihnachts-Gitarre nach Mohrs Ableben von einem Bekannten erworben worden sein, bei einer Schlägerei  beschädigt worden und schließlich 1911 in den Besitz des Enkels von Komponist Franz Xaver Gruber gekommen sein. So berichtet es das Magazin „Salzburgerland“.

 In den 1950ern soll die Gitarre dann in die USA gewandert sein, wo siie ausgestellt wurde. Weiter ging die Reise zu einer Ausstellung nach Kanada. Selbst Willy Brandt soll durch das internationale Interesse den Wunsch geäußert haben, sie in Berlin auszustellen – und so ging es für Mohrs Gitarre in die geteilte Hauptstadt. Nach weiteren USA-Reisen in den Siebzigern ist die Gitarre nun entgültig im Reiseruhestand.

Wer die legendäre Gitarre sehen möchte, kann sie im Stille Nacht Museum des Keltenmuseums der Stadt Hallein in Augenschein nehmen. Das Museum widmet dem Komponisten Franz Xaver anlässlich des Jubiläums bis zum 7. Januar die Sonderausstellung „weihnachten mit Katharina und Franz Xaver.“

Fotos: (c) Stille Nacht Museum Hallein/Stille Nacht Archiv

Text: Natalie Meyer