EVH Wolfgang Special Striped Black and White

Wolfgang ist nicht nur der Name der aktuellen EVH-Instrumente, es ist auch der Name von Eddie Van Halens Sohn und aktuellem VH-Basser. Und wenn Wolfgang am Bass so abliefert wie die EVH Wolfgang am Amp, dann läuft das hier gleich tippi-toppi ab. Also her mit Wolfie!

Vorsicht, Streifen!

Eddie Van Halen ist nicht nur einer der Innovatoren des zeitgenössischen Gitarrenspiels wie vor ihm wohl nur Robert Johnson, Charlie Christian und Jimi Hendrix gewesen, er war auch in technischer Hinsicht immer einen Schritt weiter, sowohl was sein Spiel als auch sein Equipment anbelangt. Und bei beidem war ihm Substanz immer wichtiger als bloße Äußerlichkeiten. Man werfe nur mal einen dezenten Blick auf die dritte, rot-weiße Inkarnation der Frankenstrat. Da ist nix mit Politur und feiner Verarbeitung, das ist eine Rock’n’Roll-Maschine, die nicht aufzuhalten war.

Kein Hochglanz, keine Politur, kein Tone-Poti, der Neckpickup nackte Dekoration und das Schlagbrett (richtig, welches Schlagbrett?) verkümmert zum bloßen Halter für das eine Poti, das den einen Humbucker am Steg in einer Strat verwaltet – reduzierter geht es kaum. Dazu kommen noch das Floyd Rose, ein unlackierter und somit ziemlich schnell verdreckender Ahornhals mit ebensolchem Griffbrett und als Tüpfelchen auf dem i, Ringhaken zum Einhängen des Gurtes mittels Karabiner. Noch Fragen? Der Mann weiß, was er will und hat über Zwischenstationen (legendär sein Aufenthalt im Peavey-Camp) sein neues Zuhause bei seiner eigenen Company EVH Gear unter dem Fender-Dach gefunden. Passt irgendwie, die Frankenstrat war ja auch ’ne Strat-Kopie, nur eben keine so detailgetreue.

Spaß beiseite, inzwischen hat Eddie mit dem Wolfgang-Shape (benannt nach seinem Sohn und aktuellen VH-Basser) seine ureigene Form gefunden, die quasi einer modifizierten Stratocaster-Variante entspricht und in diversen Serien, Farben, Hölzern und Varianten vorliegt. Unsere Wolfgang Special Striped besitzt das ikonische Streifendesign in der Variante Schwarz-Weiß, auf das ursprüngliche Schlagbrett hat man verzichtet. Einerseits ist die Oberseite des Lindenkorpus gewölbt, andererseits sind die beiden EVH-Wolfgang-Humbucker direkt ins Holz geschraubt, also ohne Rähmchen montiert, das Schlagbrett wäre in seiner Funktion als Pickuphalter somit ohnehin ohne Funktion gewesen.

Harte Fakten

Eddies kompromisslos auf Performance ausgerichtete Denke spiegelt sich in seinen Gitarren in nahezu jedem Detail wider. Linde ist ein Holz, dass in cleanen Bereichen eher unscheinbare Charakterzüge trägt, gerade bei High-Gain-Expeditionen dagegen mit einer mittig-präsenten Attitüde seinen Teil zum straffen Klangbild beiträgt. Passend dazu gesellt sich der Quartersawn-Ahornhals, der mit Graphitstäben verstärkt wurde. Er beherbergt 22 Jumbo-Bünde, die in einem Griffbrett mit Compound-Radius von 12 bis 16 Zoll sitzen und sauber bearbeitet und poliert wurden.

Nix mit Buckelpiste


Nimmt man die Wolfgang in die Hand, wird der Ansatz deutlicher: der Korpus schmiegt sich an den Korpus des Musikers, der Hals mit griffigen Profil irgendwo zwischen D und flachem C fügt sich dank abgerundeter Griffbrettkanten angenehm in die linke Hand. Lagenwechsel sind kein Problem, es kommt trotz Jumbos nie zum Buckelpisten-Feeling. Dass der Hals von Hand nach Eddies Vorstellungen geformt und sein Finish ebenfalls von Hand bekommen hat, ist ein nettes Bonbon. Vor allem zeigt es aber, wie praxisorientiert Eddie denkt, denn das rückseitige Hals-Shaping mit seiner dezenten Asymetrie in Richtung Oberseite des Halses ist einfach verdammt angenehm.

Ebenfalls recht kompakt fällt die charakteristische Kopfplatte mit den beiden kleinen Hörnchen aus. Auf besagtem Headstock mit schwarzem Furnier sitzen sechs gekapselte Gotoh-Mechaniken in Chrom-Optik. Dank des R2-Klemmsattels, der wie das Tremolo ein Original von Floyd Rose ist, reichen normale Mechaniken locker aus.

Am Sattel und am Tremolo wird ohnehin kompromisslos (da haben wir es wieder) festgeklemmt, die Mechaniken bringen die Gitarre in Stimmung, den Rest nach dem Abklemmen machen die Fine-Tuner des Tremolosystems. Diese laufen geschmeidig, aber nicht so leicht, dass man sie aus Versehen verstellt. In typischer Van-Halen-Manier ist das Floyd Rose mit EVH-Logo nicht unterfräst, Up-Bends sind also nicht möglich. Bevor jetzt jemand mosert, das hat seine Gründe.

D-Tuna? Läuft!

Der ebenfalls installierte EVH D-Tuna, der kleine Mechanismus, der an der Feinmechanik der tiefen E-Saite montiert ist und über ein simples Herausschieben respektive Hineindrücken die tiefe E-Saite auf D herunterstimmt respektive wieder zurück, funktioniert anders gar nicht. Ein freischwebendes System basiert auf dem Gleichzug von Federn und Saiten. Zieht eine Partei zu stark, kippt das Tremolo aus der Waagrechten. Beim Betätigen des D-Tunas wird die Stimmung der E-Saite tiefer, der Saitenzug insgesamt minimal schwächer, das Tremolo kippt minimal, die Stimmung ist im Eimer. Liegt es hinten auf wie bei der Wolfgang, passiert gar nichts, alles ist in Stimmung. Eddie weiß schon, wie es geht.


Liebe sprechen lassen

Mein lieber Scholli, das ist ein echtes Brett! „Vergiss mal den Clean-Kanal, Dicker“, das schreit die Pompfe einem schon beim ersten Griff entgegen, und da leisten wir doch gerne Folge. Rein in den Dampfkanal, Delay und ein wenig Phaser dazu und „Ain’t Talkin‘ Bout Love“ hämmert einem um die Ohren – Yeah! Harte Riffs und sleazige Lines machen richtig Laune, die Wolfgang verträgt sich dank Eddies speziell für seine Gain-Vorlieben entwickelten Wolfgang-Humbuckern so gut mit satter Distortion wie Jack Daniels mit Cola. Oder Korn mit Cola für die räudigen Typen unter euch. Legato-Lines und Tappings sind eine wahre Freude, denn die mittige Kompression der Lindenkonstruktion, das Attack des Ahornhalses und die vor Fett triefenden Doppelspuler liefern einfach ab. Wie der Herr, so das Geschirr, sagt man doch.


Verwaltet werden die Tonabnehmer mittels eines Volume- und eines Tone-Potis, ein Toggle-Switch am oberen Cutaway-Horn hilft bei der Anwahl: Oben der Halspickup, Mitte beide, unten der Steg-Pickup. Eddie mag es gerne andersrum, damit er beim Tapping nicht versehentlich umschaltet. Geschmackssache, so wie hier kennt man es von der Les Paul und den meisten Artverwandten. Auch die Potis sind mit Plan verbaut worden: ein äußerst leicht laufendes Volume-Poti erlaubt schnelle Variationen des Zerrgrads, das Tone-Poti hingegen läuft deutlich schwerer. Dieses kann je nach Gusto eingestellt werden, eventuell um das Höhenverhalten an das eigene Hörempfinden anzupassen. Versehentlich verstellen kann man das kaum – so geht das.

Das bleibt hängen

Als alter VH-Freund ist dem Autor nicht zu trauen, wenn eine Gitarre Streifen hat, oder doch? Selbstverständlich, denn die Wolfgang liefert einfach ab. Klar, sie ist nicht billig mit ihrer UVP von gut 1500 Euronen. Aber, und das ist ein Aber mit Großbuchstaben: Dieser Made-in-Mexico-Hammer liefert die volle Packung Performance und Dampf-Sounds. Cleansounds? Geht auch, ist aber rein konzeptionell eher Nebensache. Wolfgang mag Gain, gerne ein Drop-Tuning und alles wird gut. Wer das Design nicht mag, für den gibt es die Wolfgang auch in weniger auffälliger Optik.


Siggi Van Halinger
… äh … Harringer

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Alle weiteren Infos findet ihr auf der EVH-Homepage ...