Fender Player Lead II & III (Guitar-Dreams) - Den Ton angeben

Mit der Lead Series stellte Fender 1979 zwei Modelle vor, die sich preislich vor allem an Anfänger richten sollten. Das Modell II sowie der „Nachzügler“ III von 1981 werden nun als Fender Player Leads im schicken, neuen Gewand neu aufgelegt.

Ganz eindeutig: Das sind Fender-Gitarren! Beiden Player Leads gemein ist ihre Strat-ähnliche, schlanke Lead-Korpuskonstruktion mit doppeltem Cutaway, zwei Potis für Volume respektive Tone, jeweils zwei Toggleswitches (auf deren Funktion wir gleich noch eingehen), sowie die klassische Fender-Kopfplatte.

Die originale Lead Series war 1979 übrigens der Wendepunkt, an dem sich Fender wieder dem schmaleren Kopfplatten-Design zuwandte. Und das, obwohl wir doch alle wissen, dass die große 70er-Jahre-Kopfplatte um Längen cooler aussieht! Stimmt’s Stephan? [Abmahnung! – der Chefred.]

Was ist neu?

Den ersten optischen Unterschied bemerkt man bei der Betrachtung des Griffbretts: Bei der Lead III besteht das auf den eingeschraubten Ahornhals aufgeleimte Griffbrett aus Pau Ferro – im Gegensatz dazu kamen die Originale damals noch wahlweise mit Palisander-Griffbrett oder einem einteiligen Ahornhals daher –, während die Lead II lediglich über die einteilige Ahorn-Variante verfügt.

Damals wie heute finden auf beiden Griffbrettern 22 sauber verarbeitete Medium-Jumbo-Bünde Platz; das Halsprofil selbst wurde für die Neuauflage auf ein modernes C mit einem Radius von 9,5 Zoll geschliffen, das den Hals hervorragend in eure Hände schmiegt. Man hat immer noch was zum zupacken, aber auch kleinere Hände sollten ohne große Anstrengung jeden noch so anspruchsvollen Jazz-Akkord umsetzen können.

Gab Fender sich Ende der Siebziger farblich mit Finishes in Schwarz und Weinrot noch eher bedeckt, gesellen sich mit den Neuauflagen flippige Varianten in Neon-Grün (Lead II) sowie Purple Metallic, Olympic White und Sienna Sunburst (Lead III) zu den Klassikern – allesamt aus Gloss-Polyester-Lack und äußerst stylisch. Da ist sicher für jeden Geschmack was dabei.

Das dreilagige, schwarze Griffbrett harmoniert damit hervorragend, auch die simplen schwarzen oder weißen (je nach Griffbrett) Dot-Inlays unterstreichen die unaufgeregte, schlichte Coolness dieser Gitarren, die eben schon damals nicht für Zahnärzte sondern für den Tankstellenwart mit Bierflecken auf der zerschlissenen Latzhose … ok, ich glaube, ich drifte ab – was ich meine, ist: Schlichtes aber cooles Design weil günstig, Ton eh wichtiger.

Was hier Phase ist

In dem ebenfalls an beiden Modellen verbauten Korpus aus Erle findet sich der größte Unterschied zwischen Lead II und III: die Pickupbestückung. Die Nummer II ist mit zwei schräg eingesetzten Player-Series-Singlecoils mit Alnico-V-Magneten ausgestattet, die sich – und jetzt kommen wir endlich zu den kleinen Toggle-Schaltern – „out of phase“ schalten lassen.

Zur Erklärung: Normalerweise haben Pickups ihre Masse und ihren „heißen“ Ausgang jeweils am gleichen Ende der jeweiligen Pickup-Spule. So verstärken sich die Signale der Pickups gegenseitig und produzieren einen vollen Sound, wie wir ihn kennen.

Schaltet man in der Mittelstellung mit beiden Pickups aktiv nun einen davon „out of phase“ – dreht also Masse- und heißen Anschluss um –, arbeiten die Pickups quasi gegeneinander und löschen gegenseitig ihre Frequenzen aus. Auf den Sound hat das einen nicht unerheblichen Einfluss, aber dazu gleich mehr.

Direkt daneben sitzt ein klassischer 3-Wege-Toggle für die Wahl der Pickups. Steg, Steg&Hals sowie Hals alleine stehen hier erwartungsgemäß zur Verfügung. Die Saiten führt eine Hardtail-Brücke mit sechs Reitern durch den Korpus Richtung Sattel aus synthetischem Knochen. Ein Tremolo-System ist heute wie damals nicht vorgesehen.

Lead II

Sound-technisch bekommt man bei der Lead II, was man sich unter einer Fender mit Singlecoils so vorstellt: Der Stegtonabnehmer springt wahnsinnig schnell an und liefert uns ein spritziges, knackiges Attack mit geringem Bassanteil, dass sich clean besonders für funkige Grooves oder Country-Licks eignet und sich verzerrt im Solo durch jeden Mix schneidet.

Der Halspickup tönt derweil sehr offen und luftig, orientiert sich im Frequenzspektrum eher Richtung Mitten und lässt sich für Riffs der Marke Deep Purple ebenso gut einsetzen wie für poppiges Picking á la Coldplay & Co. Am rundesten und wärmsten klingt die Kombination beider Pickups in der Nicht-„out of phase“-Stellung. Wer gerne breite Akkordflächen legt, wird hier glücklich.

Mit einem Griff zum Phasenumschalter wird es plötzlich richtig hell und glockig, fast möchte man sagen dünn. Deutlich weniger Mitten, dafür präsente Höhen, die zum Glück nie zu spitz daher kommen, prägen das Klangbild. Wie wir oben geklärt haben, ist das nicht allzu verwunderlich.

Ein fetter Rundum-Sound ist nie das Ziel einer Phasenumkehrung, der resultierende hohle Sound ist definitv Geschmackssache, fügt der ohnehin schon üppigen Soundauswahl aber nochmal eine spezielle Klangfarbe hinzu.

Lead III

Die Schwester Lead III mit ihren beiden Player-Series-Humbuckern (Alnico II) wurde ebenfalls mit zwei Toggleswitches versehen. Einer wählt wiederum die Pickups an, der andere jedoch lässt euch die Humbucker coilsplitten. In Mittelstellung wird gar nicht gesplittet, nach unten geschaltet teilt ihr den Steg-Humbucker entzwei, nach oben eben den am Hals.

Beide Tonabnehmer simultan als Singlecoils sind nicht vorgesehen, dafür kann man in der Mittelstellung des Pickupwahlschalters Kombination wie Steg-HB und Hals-SC oder eben Hals-Humucker und Steg-Singlecoil anwählen – das hätte auch Keith Richards gefallen.

Am Verstärker angeschlossen bestätigt sich das, was wir von einer Humbucker-Gitarre erwarten: weniger Attack, mehr Sustain. Der Sound der Lead III fällt also insgesamt runder und wärmer aus, ohne aber wie bei manchen Mahagoni-Gitarren mit eingeleimtem Hals zu breit und schwammig zu werden.

Im Vergleich

Er behält sich derweil den nötigen Punch, um zackige Achtelriffs akzentuiert durch den Verstärker zu ballern und präsentiert sich clean wie verzerrt ausgewogen und mit kräftigen Bässen. Der Stegtonabnehmer ist dabei der höhenreichere der beiden Kollegen, wobei die Unterschiede nicht so stark ausfallen wie beim Singlecoil-Modell.

Splittet man nun Steg- oder Halstonabnehmer, fühlt man sich im ersten Moment durchaus an die Sounds der Lead II erinnert, die ja abgesehen von den Pickups über größtenteils gleiche Specs verfügt. Dennoch bleibt der Klang der geteilten Humbucker erwartungsgemäß etwas hinter den „richtigen“ Singlecoils zurück.

Zwar lassen sich auch so funkige Licks am Steg zocken oder cleane Pickings im Mix etwas aufhellen. Im Vergleich kommt die Split-Variante aber ein wenig dünner daher. Als zusätzliches Klangangebot zu den Humbucker-Sounds wollen wir das nicht schmähen, denn wie schon bei ihrer Schwester, ist so aus der Lead III einiges an unterschiedlichen Sounds rauszuholen. Wer generell aber mehr auf Singlecoils steht, der greift am besten direkt zur Lead II.

Das bleibt hängen

Fenders Neuauflage der Lead Series unter dem neuen Namen Player Leads beweist eine Menge Treffsicherheit. Eine üppige Soundauswahl, dank cleverer Features wie Out-of-Phase-Schaltung bei der Lead II oder Coilsplitting bei der Lead III, knallige neue Farben sowie eine astreine Verarbeitung machen die Schwestern Lead II und Lead III zu Allround-Werkzeugen nicht nur für Anfänger.

Abseits der üblichen Telecaster- und Stratocaster-Welten gibt es hier eine ganze Mene Fender-Flair. Und für kmapp 700 Euro kann man daran ja kaum was auszusetzen haben. Das solltet ihr ausprobieren.

Text: Alexander Pozniak
Fotos: Nicole Marek