Frank Hartung – Detailarbeit im Grünen (Portrait)

Frank Hartung aus Langewiesen in Thüringen ist längst überregional und sogar international für seine hochwertigen elektrischen Gitarren, die er in mühevoller Präzisionsarbeit in seinem Customshop seit 2009 fertigt, bekannt. Neben Thomas Stolle von Silbermond nennt auch Connaisseur Steve Stevens eines seiner Instrumente sein Eigen.

Frank, wie wurdest du zum Gitarrenbaumeister?

Frank Hartung: Ich habe ein echtes Handwerk, die Tischlerei, erlernt und bin daher im richtigen Umgang mit Holz vertraut. Es war eine schöne, aber auch harte Ausbildung, die mir die Grundlagen zu dem, was ich heute mache, vermittelte.

Anfangs hatte ich nicht vor, professioneller Gitarrenbauer zu werden. Es war eher ein Hobby: Ich nahm Gitarrenunterricht bei Oliver Lorenz, mit dem ich dann 2004 Forge Guitars gründete. Ich interessierte mich immer mehr für Hölzer und die konstruktiven Zusammenhänge der Instrumente. So entwarf und baute ich 2002 meine erste Gitarre.

Es war sicherlich kein Meisterstück, aber schlecht war sie auch nicht. Das Interesse blieb erhalten, und ich baute ein nächstes Modell. Und sie wurden immer besser, was mir Gitarrenbauerkollegen bestätigten. Irgendwann wollten dann ande
re Gitarristen Instrumente von mir gebaut 
haben ...

Meine Werkstatt liegt im ländlichen Langewiesen, was mir die Ruhe gibt, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren. Die Werkstatt selbst liegt an meinem Wohnhaus. Das ist praktisch, da ich auch mal zwischendurch Arbeiten erledigen kann. Ich habe alles nach meinen Bedürfnissen eingerichtet und kann so relativ unabhängig arbeiten.

Was sind deine Idole und Favoriten im Gitarrenbau?


Eines meiner Vorbilder ist Ulrich Teuffel, der mir viel beigebracht und geholfen hat. Er drückte mir die Hölzer für meine erste Gitarre in die Hand, stand mir stets bei Fragen zur Seite und motivierte mich, an das zu glauben, was ich tue. Es gibt aber noch eine Vielzahl inspirierender Gitarrenbauer, die wundervolle Arbeiten machen.

Wie entsteht ein Custom-Modell?

Meist kommen Kunden mit einer Idee oder einem Modell, das sie ausgesucht haben, auf mich zu. Sobald alle nötigen Spezifikationen zusammengetragen sind, mache ich ein Angebot. Passt es, werden alle Spezifikationen in einem Auftragsformular erfasst – das gibt dem Kunden und mir die Gewissheit, dass alles so ausgeführt wird, wie wir es besprochen haben.

Ich schicke dann von Zeit zu Zeit Fotos vom Baufortschritt, um 
den Kunden zu involvieren und ihn sehen zu lassen, wie sein 
Baby wächst.

Jede meiner Gitarren ist ein Unikat, und fast jeder Kunde hat bestimmte Vorgaben, die er beim Bau umgesetzt haben möchte. So baue ich jedes Instrument von Grund auf – ich denke, das macht mich zu einem richtigen Customshop.

Auf der technischen Seite nutze ich eine CNC-Maschine. Es gibt also einen maschinellen Anteil bei meiner Arbeit. Es ist einfach eine Frage der Schnelligkeit, da sich viele meiner Modelle ähneln und sich somit wiederholen.

Wenn etwa die Bünde abgeschlossen [endclosed] ausgeführt werden, müssen die Bundschlitze von oben gefräst werden, da sie nicht bis zum Griffbrettrand reichen. Das wäre von Hand schlichtweg nicht so präzise zu fertigen.

Autor: Ulf Kaiser
Fotos: Frank Hartung

Das komplette Interview mit Frank sowie alle Infos zu seinen Gitarren – inklusive dem Embrace-Modell versteht sich – könnt ihr in guitar 8/17 nachlesen. Hier könnt ihr das Heft als Print- oder Digitalausgabe bestellen!

Frank Hartung Neck Headstock