Guitar-Dreams: Vox AC15HW60 – Klangkultur

60 Jahre ist dieses Verstärkerdesign alt, und damit beinahe so alt wie die Stratocaster. Beide haben auch nach sechs Jahrzehnten nichts von ihrer ursprünglichen Attraktivität verloren. Im Gegenteil, gerade der AC15 und sein Bruder, der AC30, erweisen sich immer wieder als echte Traumpartner – sei es bei cleanen oder schmutzigen Klängen. 

Ein Vox passt immer


Schwer ist er, der kleinere der beiden Vöxe, mit seinen 24 Kilogramm, sogar um rund zwei Kilogramm schwerer als sein platinenbasierender Verwandter aus der Custom-Serie. Und als leicht konnte man den schon nicht bezeichnen. Aber Gewicht ist eine Sache, Sound eine andere. In dieser Hinsicht sind die Erwartungen an die beiden handverdrahteten Jubiläre hoch (auch den AC30 gibt es als Jubiläumsversion), um nicht zu sagen: äußerst hoch.

Will man Amps dieser Art beurteilen, dann braucht man sich ohnehin nicht lange mit dem Aufzählen der Features aufzuhalten, denn davon gibt’s nicht so viele. Zumindest im Vergleich zu modernen Mehrkanalern. Die Kernkompetenzen solcher Amps sind, zumindest nach Meinung des Verfassers, eher spielerischer Natur. Sprich, setzt der Verstärker um, was der Gitarrist spielt – und zwar in all seinen Details.

Finde ich meine Anschlagveränderungen im Ton wieder? Höre ich den veränderten Plekwinkel und die veränderte Anschlagsposition? Geht der Amp auf die Dynamik meiner Spielweise ein? Wie dreidimensional ist die Klangstruktur aufgebaut?

Zurück in die Zukunft aus 1957


All diese Dinge sind nicht per Regleraufzählung und Feature-Nennung vergleichbar, sie setzen zumindest ein persönliches Vorhandensein der Amps voraus. Daher muss man schnell sein, denn die Teile sind limitiert und werden trotz saftiger Preise schnell vergriffen sein.

Ungeachtet allen metaphysischen Geschwurbels bis hierhin, kein Testbericht kann die Fakten außen vor lassen. Die Jubiläums-version des AC15 beruht auf einer Version aus dem Jahres 1957 und somit quasi kurz vor dem offiziellen Startpunkt 1958. Es war, um genau zu sein, die vierte Version des AC15 in diesem Jahr.

Wobei sich diese Versionen nicht grundlegend unterscheiden mussten, vielmehr wurde ständig optimiert und weiterentwickelt. Der Verstärkerbau steckte durchaus noch in den Kinderschuhen. Dennoch hat man sich beim Layout der aktuellen Jubiläumsamps an besagter Version orientiert. Demzufolge liest sich auch die Röhrenbestückung ein wenig anders und durchaus üppiger als bei seinen Verwandten dieser Tage.

So kommt in der Jubiläumsversion in der Vorstufe eine EF86-Röhre zum Einsatz, die weniger Verstärkung als eine 12AX7 (ECC83) liefert und in dieser Schaltung meist als wärmer, dunkler und mit mehr Tiefendruck beschrieben wird.

Die Endstufe wird standesgemäß von einem Paar EL84 betrieben, die Stromgleichrichtung übernimmt eine EZ81-Röhre, wohingegen das heutzutage überwiegend von Siliziumdioden erledigt wird. Klanglich äußert sich der Einsatz einer Gleichrichterröhre in einer „weicheren“ Ansprache und dem sogenannten „Sag“-Verhalten:

Bei hohen Pegeln verschieben sich die Arbeitspunkte des Verstärkers, da der Eigenwiderstand der Röhre auf das Stromziehen des Verstärkers reagiert, was einen Spannungsabfall zur Folge hat. Da dies mit der Anschlagstärke einhergeht, verändert sich dergestalt das Dynamikverhalten des Amps. Geblieben sind ebenfalls das legendäre und heißgeliebte Rautenmuster sowie die typischen Chickenhead-Knöpfe.

Text: Stephan Hildebrand
Foto: Christopher Przybilla

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Vox AC15 HW60 Test Footswitch