Interview: Graveyard

Mit neuem Schlagzeuger und frischer Energie wagt Graveyard einen Neuanfang. Zum fünften Album Peace hat guitar mit Bassist Truls Mörck geplauscht.

Truls, beim Hören von Peace fällt auf, dass einige Songs für Graveyard-Verhältnisse recht hart geworden sind.

Truls Mörck: Ich glaube, das kam einfach durch unsere Touren zu den vergangenen Alben mit unserem ehemaligen Schlagzeuger [Axel Sjöberg]. Uns war nun danach, neue Songs zu schreiben. Da wir die alten Stücke immer und immer wieder spielten, haben wir uns anschließend automatisch in eine etwas andere Richtung orientiert und uns gedacht: „Ein bisschen schneller spielen könnte auch Spaß machen.“ Also haben wir mit schnelleren Riffs herumprobiert und geschaut, ob das für uns funktioniert. Unser neuer Drummer Oskar [Bergenheim] hat diesen Sound im Vergleich zu früheren Versuchen noch besser umgesetzt. Er kann schnell spielen und klingt gleichzeitig nach Rock’n’Roll.

Ist euer Artwork mit der zerbrochenen Trommel im Wasser des Brunnens ein finales Statement zu dieser Situation rund um Axels Ausstieg?

Das hoffe ich. Ich wünsche mir, dass wir in dieser Konstellation nun etwas Frieden finden und vorwärts gehen können. Ohne stressige Auflösungen oder Ausfälle.

Du bist ursprünglich Gitarrist und hast als solcher 2006 Graveyard mitgegründet. Nach den Aufnahmen zum Debüt hast du die Band verlassen und kamst 2015 als Bassist zurück. Schreibst du neue Songs zunächst auf der Gitarre oder gleich mit dem Bass?

Beim Bass hat man ja nur vier Saiten zur Verfügung. Daher finde ich es einfacher, auf der Gitarre zu komponieren. So kann ich die Basslinien festlegen und gleich mit den anderen Saiten ein Gefühl für das Zusammenspiel mit der Gitarre bekommen. Mir hilft das, den Rahmen eines Songs besser einschätzen zu können.

Verleihst du „See the Day“ neben deiner Stimme auch den Gitarrensound?

Ja. Bei „See the Day“ spielen wir sogar mit drei Gitarren. Das hat Spaß gemacht. Im Anschluss habe ich die Bassspur hinzugefügt.

Wie entsteht dein aktueller Basssound bei Graveyard?

Im Augenblick spiele ich einen Vintage Epiphone Hollowbody Bass. Außerdem habe ich noch meinen Rickenbacker-Bass, der von 1973 oder 1974 stammt und den ich oft auf der Bühne hernehme. Auf Peace habe ich übrigens noch ein paar andere Bässe gespielt, die ich mir ausgeliehen habe. Zum Beispiel einen Fender Precision Bass von 1967, der war unglaublich. Live verwende ich noch einen Equalizer.

Welche Pedale liegen in deinem Effektweg?

Ich habe ein Strymon El Capistan Delay, mit dem ich die spacigeren Parts spielen und in Jams coole Sounds machen kann. Manchmal verwende ich einen Big Muff, meistens aber nur für kleine Teile hier und da. In den normalen Basslinien brauche ich ihn eigentlich nicht und füge nur ab und an ein paar Effekte ein. Das sind die Treter, die ich am meisten verwende.

Was macht für dich den Reiz von Vintage-Instrumenten aus?

Alte Instrumente haben manchmal eine Art Magie in sich – aber nicht immer. Nur weil ein Instrument aus den Sechzigern stammt, ist es nicht automatisch besser als ein neues. Aber ab und zu ist dann eben ein sehr gutes dabei.

Hat euch das zwischenzeitliche Ende von Graveyard wieder bewusster gemacht, wer ihr als Band seid?

Ja, auch wenn ich nicht sagen würde, dass wir vorher alles hingenommen haben. In der Vergangenheit haben wir schon häufiger Mitglieder verloren – mich eingeschlossen. Dieser Zustand war der Band also nicht unbekannt. Aber nach den ganzen Geschichten, die auch schon vor Axels [Ex-Drummer Axel Sjöbergs] Abgang in der Band passiert sind, wurde uns bewusst, dass Graveyard vielleicht nicht für die Ewigkeit existiert. Wir haben realisiert, wie cool es ist, in dieser Band zu spielen, und versuchen nun, das Beste daraus zu machen.

Text: Isabell Raddatz

Fotos:  Scott Legato/Getty Images, Nuclear Blast