Interview: Hanno Klänhardt/Mantar

Hanno Klänhardt von Mantar erzählte uns alles über das neue Album "The Modern Art of Setting Ablaze", kubanische Schönheitssalons und über den Sound-Spagat zwischen Bathory und Manowar.

Hanno Klänhardt wohnt jetzt im US-Sonnenstaat Florida. Deshalb wurde auch das neue Album The Modern Art of Setting Ablaze dort eingeballert. Ein Gespräch darüber, wie man sein eigenes Wutpotential bei den Aufnahmen in einem kubanischen Schönheitssalon in Miami nutzt und es zudem schafft, sein Effektboard sinnvoll „zusammen-zuschrumpfen“...

The Modern Art of Setting Ablaze ist als erstes Mantar-Album komplett in den USA entstanden. Wie schafft man es denn im sonnigen Florida, solch fiese Musik aufzunehmen?

Ich habe das komplette Songwriting dieses Mal in Florida besorgt. Die anderen beiden Platten sind ja immer aus gemeinsamen Jams zwischen Erinc [Sakarya, d] und mir in Deutschland entstanden. Das neue Album ist eben aufgrund der räumlichen Trennung etwas anders entstanden.

Wo habt ihr in Florida aufgenommen?

In den Black Bear Studios in Gainsville. Ursprünglich hatte ich vor, meinen Gesang bei mir in meinem Haus in Florida aufzunehmen, aber der Engineer, mit dem wir zusammen gearbeitet haben, musste zurück nach Miami, und so musste ich eben auch mit, um die Platte dort fertig aufzunehmen. Dort fand ich mich für einige Zeit bei seiner Mutter zu Hause auf dem Sofa ihres kubanischen Schönheitssalons wieder.

Wie meinen?

Na ja, der Typ wohnt halt zu Hause bei seiner Mutter in Miami. Und die besitzt einen Schönheitssalon, in dem ich auch gepennt und aufgenommen habe. Kein Scheiß, tagsüber haben sich da so alte kubanische Ladys die Nägel machen lassen, und da hat dann der dünne, weiße Deutsche abends aufm Sofa pennen müssen. Nach Ladenschluss habe ich dort meine Black-Metal-Vocals eingebellt. Das war echt total abartig.

Das neue Album klingt, als würden die Melvins versuchen, Behemoth zu covern. Der Sound ist breitwandiger, du arbeitest mehr als zuvor mit Melodien, und es kommen auch mal ein paar Blastbeats zum Einsatz.

Interessanter Vergleich … Ja, ich denke, das rührt daher, dass wir uns mehr auf das konzentriert haben, was wir am besten können, und den Rest einfach weggelassen haben. Ich finde, dass man sowas bei einer dritten Platte auch abliefern muss. Das erste Album war ein räudiges Debüt nach dem Motto „Beine hoch, Amerika!“ Alle finden das dann toll. Die zweite Platte machst du basierend auf dem, was die Leute an der ersten Platte toll fanden, aber ein drittes Mal kommst du damit nicht einfach so durch.

Wie war dann deine Strategie?

Ich wollte, dass die neue Scheibe nach Bathory und Manowar klingt. Ich meine, ich kann so viel Manowar hören, wie ich will, ich bleibe trotzdem der Coolste. Weil ich immer alles in einem Punk- und Rock'n’Roll-Kontext sehe, wenn es um das Songwriting geht. Und dann musst du als Band alleine entscheiden: Was ist die Essenz des Songs? Und das ohne Produzenten – dem wir uns als Band ja immer noch verweigern.

Wie habt ihr das hinbekommen?

Wir haben jeden Song durch den „Zer-Punker“ gedrückt. Die Songs waren eigentlich noch viel theatralischer und majestätischer. Aber jeder Song musste um drei Minuten entschlackt werden. Da ist kein Produzent, der dir sagt, dass du den Part gerade eher nicht brauchst. Bleiben wir bei Sounds.

Du hast mir Bilder von einer neuen Gitarre geschickt. Kannst du dazu kurz was sagen?

Ich spiele selbstredend auf Tour auch weiterhin meine Baritons von ESP/LTD. Ein Freund von mir kam allerdings mit der Idee zu dieser Gitarre zu mir. Wir haben uns über meine Spezifikationen unterhalten, und er hat mir das Teil einfach gebaut. Seine Firma heißt Vertical Guitars. Der baut momentan auch nur für kleine Underground-Bands Instrumente, das aber auf extrem hohem Niveau. Der Hals ist extrem schmal, die Decke ist aus Ahorn, das Binding ist doppelt, und er hat auf meinen Wunsch hin meine favorisierten Pickups von Bill Lawrence verbaut. Ansonsten ein Volume, ein Toggle und ein Killswitch – kein Schnickschnack.

Text: Marcel Thenée
Fotos: (1) Getty Images, (2) Christoph Eisenmenger, (3) Hanno Klänhardt

Das ausführliche Interview findet ihr in der aktuellen guitar 9/2018 - hier nach Hause bestellen oder als PDF downloaden oder noch einige Tage am Kiosk eures Vertrauens.

Hier gibt's das im wahrsten Sinne des Wortes "tierische" Musikvideo zum Song "Age of Absurd" vom neuen Mantar-Album "The Modern Art of Setting Ablaze":

Hanno hat den Gesang zum  neuen Album in einem Schänheitssalon in Miami aufgenommen - dementsprechend energiegeladen klingt das neue Mantar-Album...

Hanno hat den Gesang zum neuen Album in einem Schänheitssalon in Miami aufgenommen - dementsprechend energiegeladen klingt das neue Mantar-Album...