Interview: Larkin Poe

Die beiden Lovell-Schwestern alias Larkin Poe im Interview aus der guitar 07/2019 über ihr viertes Album Venom & Faith.

Die beiden Lovell-Schwestern alias Larkin Poe sind einfach umwerfend: Sie holen nicht nur auf ihrem aktuellen vierten Album Venom & Faith den traditionellen Blues mit E-Gitarre, Lapsteel und frischer Attitüde zurück ans Tageslicht des Musikgeschehens, sondern strahlen im Gespräch auch eine selten anzutreffende Wärme und Zufriedenheit aus. 

Wie wichtig ist es euch, den traditionellen Ansatz des Blues in die Moderne zu transferieren?

Rebecca: Das ist uns sehr wichtig. Besonders in den USA wird amerikanische Roots-Musik nicht so wertgeschätzt, wie sie es verdient hat. Eine unserer Missionen ist es, Roots-Musik nach oben zu bringen und eine der Bands zu sein, die sie wieder beliebt macht und der neuen Generation vorstellt. Wir mögen die Idee, sich der Tradition zu bedienen und gleichzeitig moderne Klänge dafür zu verwenden. Es ist nicht unsere Intention, nur eine Zeitkapsel für die Musik zu sein.
Megan: Wir schreiben ein neues Kapitel in der Geschichte des Blues.

Hat sich euer Songwriting-Prozess über die Jahre verändert?

Rebecca: Absolut! Am Anfang ist es sehr verführerisch, jede Kleinigkeit wie einen Schatz zu behandeln. Ich glaube, dass es am jetzigen Punkt für uns leichter ist, die Lieder zu bearbeiten und Teile zu ändern, die nicht sehr gut sind. Wir können unser Ego aus dem Schreibprozess heraushalten, das ist sehr gesund.
Megan: Besonders zwischen uns beiden: Als späte Teenager und junge Erwachsene hatten wir noch geschwisterliche Rivalität zwischen uns. Das ist mit dem Alter ebenfalls weggegangen. Es ist wichtiger, dass die beste Idee gewinnt, egal von wem sie kommt. Es ist also viel mehr Teamarbeit. Aus welchen Gründen habt ihr vor einigen Jahren auf elektrische Instrumente gewechselt? Rebecca: Wir wollten einen Rock’n’Roll-Sound haben. Das war am Anfang ziemlich merkwürdig, denn man wechselt von einem sehr ruhigen Instrument zu der Kraft eines Verstärkers. Aber es ermöglicht einem, Menschen zu bewegen. Wir haben es sehr genossen, das in unsere Show integrieren zu können. Ich liebe Black Sabbath, sie sind eine meiner Lieblingsbands. Dass ich nun ein Distortion-Pedal verwenden, die Zerre reinhauen und Feedback bekommen kann, ist wirklich ein mächtiges Gefühl.
Megan:
Als wir aufwuchsen, machten wir Bluegrass-Musik. Aber die ganze Zeit über spielte uns unser Vater Classic-Rock-Platten vor. Daher ist es in den vergangenen Jahren perfekt gelaufen: Unsere Wurzeln haben sich mit dem Classic-Rock- und Rock’n’Roll-Sound vereint.

Wie sehen eure Effektboards aus?

Rebecca: Wir spielen beide das gleiche Overdrive-Pedal, das TB Drive des deutschen Herstellers Rodenberg. Mein Verlobter (Tyler Bryant) spielt auch in einer Band und hat das Gerät zusammen mit Rodenberg entworfen. Es hat zwei nebeneinander laufende Overdrives integriert. Ich habe außerdem noch ein Mad Professor Dual Blue Delay und einen Tuner – das war’s.
Megan: Zusätzlich zum TB Drive habe ich noch einen Hall of Fame Reverb von t.c. electronic, einen Fender-Mirror-Image-Delay und ein Volume-Pedal. Rebecca: Ich trage immer große Stiefel. Wenn ich mehr Pedale auf meinem Board hätte, würde ich meine ganzen Einstellungen vermasseln. Ich habe mich schon ein paar Mal aus Versehen stummgeschaltet. (lacht)

Wie sieht’s bei euch mit Neuheiten aus?

Rebecca: Ich mag es, neue Sachen auszuprobieren. Aber um ehrlich zu sein: Wenn wir mit dem Flugzeug unterwegs sind, kämpfen wir immer mit dem Gewicht. Daher habe ich mein Pedalboard so weit runtergebrochen, dass es in meinen Koffer passt. Aber eines Tages werde ich ein riesiges Pedalboard haben… (lacht)
Megan: Bei mir ist es genau das Gegenteil! Wenn ich etwas finde, das ich mag, dann bleibe ich ihm jahrelang treu.

Geht es euch mit Gitarren genauso?

Rebecca: Ja, auf dieser Tour reise ich mit zwei Fender Stratocaster aus dem Custom Shop, einer Jazzmaster und einem Banjo. Das ist die erste Tour, auf der ich das Banjo dabei habe. Es macht viel Spaß, denn wir haben es für ein paar Songs auf Venom & Faith genutzt. Das auch live umsetzen zu können, macht viel Spaß. Das Banjo habe ich übrigens, seit ich 15 Jahre alt bin. Es wurde von einem Mann namens Bobby Birds in Nord-Georgia extra angefertigt. Das Instrument klingt richtig gut. Und sie hier (zeigt auf Megan) hat nur eine Gitarre!
Megan: Eine Rickenbacker Lapsteel und einen Fender Deluxe Amp.
Rebecca: Ach ja, ich spiele einen Fender Twin.

Hast du noch eine Backup-Lapsteel auf Tour dabei?

Megan:
Nein. Zu Hause habe ich noch ein paar mehr, aber die nehme ich nicht mit auf Tour.
Rebecca: Sie lebt auf Messers Schneide! Einmal ist ihr der Hals gebrochen, aber ansonsten spielt sie von Anfang an die gleiche Gitarre. Ich finde das toll! (zu Megan) Du hast eine so starke Verbindung mit deinem Instrument.
Megan: Sie ist mein Baby!

Rebecca, dein Liebling ist die Jazzmaster, richtig?

Rebecca: Genau, in der Farbe „Sea Foam“. Ich liebe sie. Sie ist meine erste elektrische Gitarre und womöglich die am besten klingende. Ein großartiges Instrument. Die Jazzmaster ist allerdings etwas größer und ich bin eine kleine Person. Sie wirkt riesig an mir und ich kann mit ihr nicht so viel herumlaufen. Dafür habe ich die Stratocasters, die stromlinienförmiger sind und sich daher einfacher spielen lassen.

Ihr habt als Schwestern eine besondere Verbindung. Ist es für andere Musiker auf der Bühne manchmal schwer, da mitzuhalten?

Rebecca: (lacht laut) Wir spielen beide sehr intuitiv miteinander und haben gelernt, die Körpersprache des anderen zu lesen. Daher weiß ich sofort, was zu tun ist, wenn Megan eine gewisse Bewegung macht. Das können wir auch auf andere Künstler anwenden, zum Beispiel als wir mit Elvis Costello, Connor Oberst und Keith Urban gespielt haben. Aber unsere Jungs auf der Bühne bekommen das nicht mit.
Megan: Das stimmt! Wir haben auf jeden Fall eine ganze besondere Sprache entwickelt.

Was war für euch bisher das größte Kompliment?

Rebecca: (überlegt) Für mich war eines der größten Komplimente, wie lange wir mit Elvis Costello zusammenarbeiten konnten. Er hat uns immer wieder angefragt und wir waren auf vier oder fünf Touren mit ihm. Mir beweist es, dass er unsere Unterstützung sehr geschätzt hat.
Megan: Für mich ist das größte Kompliment, dass sowohl Elvis Costello als auch Keith Urban an uns glaubten. Elvis vertraute uns so sehr, dass er auf der Bühne Songs gespielt hat, die wir zuvor noch nie gehört hatten. Er wusste aber, dass wir ihm folgen können. Keith Urban hatte ebenfalls irgendeinen Jam gestartet und wir sind eingestiegen.
Rebecca: So geht‘s doch: einfach improvisieren, aufeinander einstimmen und spontan musikalisch sein.  

Text: Isabell Raddatz 

Fotos: Robby Klein

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