LTD Sparrowhawk – Das Mammut hat 'nen Vogel (Test)

Die Sparrowhawk ist die Signature-Axt Bill Kellihers – des Riffbosses der Metal-Macht Mastodon aus Atlanta. Wer die Band kennt, weiß, dass Bills Gitarre mehr können muss als stumpfes Geballere. Schauen wir uns an, was der Feuervogel-Nachkomme mit der matten Optik alles auf dem Kasten hat.

Das Finish, das LTD der Ahorndecke auf dem Mahagonikorpus der Sparrowhawk verpasst hat, nennt sich Military Green Sunburst Satin (MGSBS). Wenn überhaupt Militär, dann hat die dunkelgrüne Mattlackierung in Verbund mit der goldenen Hardware aber eher was mit dem Oberleutnant als dem Spieß zu tun. Edles Elfenbein für die Mammutherde quasi.

Der Korpus selbst erinnert in seiner Form ein wenig an die Firebird-Modelle, verfügt aber über einen etwas tieferen Cutaway am unteren Hals-Korpus-Übergang, so dass wirklich alle der 22 Extra-Jumbo-Bünde bequem zu erreichen sind. Eine Abschrägung des Korpus vorne in der Beuge des Cutaways erleichtert das Spiel in der höchsten Lage zusätzlich. Auch wenn Herr Kelliher die Soli meist seinem Bandkollegen Brent Hinds überlässt, für uns definitiv ein großer Pluspunkt.

Die ab Werk hervorragend eingestellte flache Saitenlage lädt geradezu zum Frickeln und Shredden ein. So ist es doppelt erfreulich, dass auch in der ersten offenen Lage nichts scheppert oder aus der Stimmung gezogen wird. Wer bisher eher die Halsfraktion „Baseball-Schläger“ geschwungen hat, muss sich zunächst daran gewöhnen, locker zu lassen. Der Greifvogel ist nämlich kein Masochist und lässt sich auch mit zarten Berührungen zum Klingen bringen.

Das flache U-Profil des dreiteiligen Mahagonihalses ist quasi der moderne Einschlag einer Gitarrenform, die sonst sowohl klassisch als auch eigenständig ist. Auf den Hals wurde ein Ebenholzgriffbrett geleimt, das sich mit seiner dunklen Holzfarbe nicht nur hervorragend in die Gesamtoptik einfügt, sondern auch jedweden Palisanderstress bei An- und Verkauf umgeht.

Die rückseitige Lackierung mit dem fließenden Übergang verbirgt übrigens geschickt die Tatsache, dass es sich beim Hals um eine eingeleimte Konstruktion handelt – fast könnte man meinen, es handele sich um ein Stück Holz. Die großen Mother-of-Pearl-Block-Inlays tun ihr Übriges für den stimmigen visuellen Gesamteindruck.

Alles in Gold


In der geschwungenen Kopfplatte hat LTD sechs hauseigene Locking-Mechaniken untergebracht. Die so angenehm leichtgängig sind, dass man gar nicht glauben würde, wie gut sie die Stimmung halten. Tun sie aber. Am anderen Saitenende findet eine Tune-o-matic-Brücke von Tonepros Verwendung – alles in Gold versteht sich.

Das wichtigste technische Detail, das noch besprochen werden muss, bevor es an den Klangeindruck geht, sind die Tonabnehmer. Hier wird Bill Kellihers Handschrift noch mal deutlicher. Es handelt sich um die von ihm mitentwickelten Lace Sensor Divinators, die extra zum Launch dieser Gitarre neu aufgelegt wurden. Anders als man vielleicht vermuten würde, handelt es sich nicht um aktive High-Output-Kracher.

Vielmehr wurde auf eine differenzierte Tonabbildung sowohl im cleanen als auch Zerrbereich Wert gelegt. Das Brett holt Bill sich nämlich aus seinen Verstärkern, wie man im Test seines Signature-Friedman Butterslax aus Ausgabe 5/2017 nachlesen kann.

Pfundiger Wumms


Beide Divinators lassen sich bei Bedarf coilsplitten, so dass wir neben pfundigem Humbucker-Wumms auch knackigere Sounds für Single-Note-Riffs oder Picking zur Auswahl haben.

Das Splitting passiert via zweier Push-Pull-Potis – der einzigen beiden Reglern auf dem Korpus. Etwas überraschend ist die Entscheidung, den Hals-Pickup über das weiter von den Saiten entfernte Tone-Poti, den Steg-Pickup via Volume-Poti um einen Mag-netstab zu erleichtern.

Umgekehrt wäre es mir naheliegender erschienen, aber wollen wir nicht kleinlich sein. Ihre namentliche Funktion übernehmen beide Potis jeweils für beide Tonabnehmer. Da man es ohnehin zweimal mit der gleichen Sorte zu tun hat, ist das keine große Einschränkung und trägt zur schlichten Schönheit dieser Gitarre bei.

Autor: Alexander Pozniak
Fotos: Christopher Przybilla

Den kompletten Test der Kelliher-Signature LTD Sparrowhawk könnt ihr in guitar 8/17 nachlesen. In unserer Guitar-Dreams-Strecke stellen wir euch die Gitarre mit allen Infos und schmucken Gear-Bildern vor. Das Heft könnt ihr hier als Print- oder Digitalausgabe bestellen!

LTD Sparrowhawk Bill Kelliher guitar total front