Planen chinesische Investoren eine Gibson-Übernahme?

Gibson soll von unbekannten chinesischen Investoren übernommen werden? Laut Informationen, die der amerikanischen Musiknachrichten-Website digitalmusicnews.com vorliegen, ist das zumindest eine Möglichkeit ...

In den vergangenen Wochen wurde bekannt, dass sich Gitarrenhersteller Gibson in einer finanziellen Misere befindet und im Sommer Kredite und weitere Forderungen in der Höhe von insgesamt einer halben Milliarde US-Dollar bezahlen muss. Abseits aller Gerüchte fassen wir die momentane Lage für euch zusammen.

Anfang Februar 2018 ließ Gibson Brands, Inc. folgende kurze Meldung verlauten: „Gibson Brands, Inc. teilen hiermit mit, dass man heute einer Zinszahlung von 16,6 Millionen Dollar an Kreditgeber von 375 Millionen Dollar nachgekommen ist. Dies sind 8,875% der Anleihen ersten Ranges im Jahr 2018.“

Die Situation für Gibson ist heikel. Der in Nashville ansässige Instrumentenbauer mit einem Jahresumsatz von über einer Milliarde US-Dollar hat mit dem Weggang seines kaufmännischen Geschäftsführers Bill Lawrence erst kürzlich einen Personalwechsel vollzogen. Lawrence, der lediglich ein Jahr bei Gibson Brands tätig war, verlässt die Firma nur sechs Monate, bevor die Frist für die Fälligkeit eines Kredits in Höhe von 375 Millionen US-Dollar ausläuft. Zusätzlich wird für Gibson ab dem 23. Juli 2018 ein weiterer Kredit in Bankanleihen in Höhe von 145 Millionen US-Dollar fällig.

Um den nahenden Bankrott von Gibson abwenden zu können, bleiben Gibson-CEO Henry Juszkiewicz nicht viele Optionen. Kevin Cassidy, seines Zeichens Senior Credit Officer der Rating-Agentur Moody’s, sieht eine mögliche Option in der Abgabe von Anteilen anderer zu Gibson Inc. zugehörigen Firmen (wie beispielsweise Philips, Baldwin etc.) an die Gibson-Gläubiger zwecks Schuldendeckung, bevor Juszkiewicz zu dieser Maßnahme gezwungen sei. Eine andere Option sei es, mit den restlichen Kreditgebern neue Schuldenkonditionen auszuhandeln, was aber laut Cassidy kaum zu reellen Konditionen für Gibson verhandelbar sei.

Ob Benson Woo angesichts der verheerenden Situation, in der Gibson Inc. sich derzeit befindet, als neuer leitender Geschäftsführer noch einmal das Ruder herumreißen kann, ist offen. Für viele Beobachter steht fest, dass die Kluft zwischen den Gibson-Anlagegläubigern und dem Vorstand der Firma derzeit nicht größer sein könne, so Reshmi Basu, Redakteur der Finanz-News-Plattform Deptwire. Juszkiewicz selbst scheint die extrem prekäre finanzielle Lage seiner Firma immer noch erstaunlich nüchtern zu betrachten. In der Nashville Post gab er erst kürzlich zu Protokoll: „Wir sprechen derzeit mit Leuten, die uns direkt morgen einen Scheck ausstellen würden. Ich glaube aber, dass wir noch wesentlich attraktivere Angebote erhalten werden.“

Die Website digitalmusicnews.com berichtet nun, dass ein „Konsortium chinesischer Investoren derzeit nach strategischen Investitionsmöglichkeiten im Bereich der Musikinstrumentenherstellung“ suche.

Ein Berater dieser Investorengruppe habe demnach Digital Music News mitgeteilt, dass diese aktuell nicht genannt werden möchte und darüber hinaus „momentan viele verschiedene Investitionsmöglichkeiten in Betracht“ ziehe.

Laut einer weiteren Quelle solle ein möglicher „Buy-out“ (also das Aufkaufen massiver Geschäftsanteile, das schließlich zur Übernahme führt) – falls überhaupt – erst in einigen Monaten erfolgen, da die Investorengruppe dann aufgrund des Fälligkeitsdatums der ausstehenden Kreditrückzahlungen besonders niedrige Preise erwarte. Die Investorengruppe verfüge über „ausreichende Ressourcen für einen Buy-out“. Im Falle einer erfolgreichen Übernahme solle Gibsons weltweit bekannter Markenname genutzt werden, um „deutlich mehr Gitarren zu verkaufen“, wie digitalmusicnews.com schreibt.

Weiter heißt es: „Die Strategie sieht eine effizientere Herstellung, bessere Preise und Vertriebsmaßnahmen sowie optimierte Online-Verkäufe und -Anpassungsmöglichkeiten vor.“ Eine weitere Quelle zitiert digitalmusicnews.com wörtlich: „Wie man sich vorstellen kann, sind die Investoren am Namen 'Gibson' interessiert und an sonst nichts. Das heißt also 'Auf Wiedersehen' für all die antiquierten Einzelhandelsbeziehungen, die schlechten Preise und das schlechte Management. Ein Bankrott führt dazu, dass sie reinen Tisch machen und von vorne beginnen.“

Lest die komplette Meldung in Englisch hier auf www.digitalmusicnews.com.