Ritchie Blackmore - Schalmei statt 7-Saiter (Interview)

Im Interview mit Ritchie Blackmore klären wir, wie es zur Rainbow-Wiederbelebung 2015 kam, was die Reunion bedeutet und wann wir mit neuem Hardrock aus seiner Feder rechnen können...

Ritchie, bei der Rainbow-Reunion geht es dir auch darum, die Nostalgie deiner Fans zu befriedigen. Wie waren deine eigenen Gefühle während der Shows?

Ritchie Blackmore: Viele Songs waren auch für mich sehr befriedigend zu spielen – auch war es eine Herausfordung, sich an all die Noten zu erinnern, die ich seid 25 Jahren nicht mehr gespielt habe. Man muss das Hirn auf der Bühne schon anschalten, denn wir spielen als Band nicht sehr häufig zusammen.

Ihr habt mit „Land of Hope & Glory“ auch einen neuen Song aufgenommen. Woher stammt diese Melodie?

„Land of Hope & Glory“ war schon immer der Eröffnungssong für Rainbow-Shows, der abgespielt wurde, bevor die Band auf die Bühne kam. Ich hielt es einfach für eine clevere Idee, dieses Stück mal auf der Gitarre zu spielen. Im Original stammt das Stück von dem britischen Komponisten Edward Elgar und heißt „Pomp & Circumstance“.

Welche deiner Strats hast du für die Rainbow-Shows 2016 in Deutschland verwendet? Ist es dieselbe wie auf der Rainbow-Tour mit Doogie White in den Neunzigern?

Ja, ist es. Das Besondere an ihr ist, dass sie damals mit enorm hohen Bünden neu bundiert wurde. Darauf stehe ich. Natürlich wurde das Griffbrett gescalloped, und ich habe die Pickups gewechselt. Welche genau da jetzt drinstecken, weiß ich allerdings beim besten Willen nicht mehr. Außerdem war es die einzige Strat in meiner Garage, die weiß lackiert war. Früher habe ich viel mit dem Vibratohebel der Strat gearbeitet – einer Spezialanfertigung, die gut über einen Zentimeter dick war, so dass ich damit extreme Bendings machen konnte. Aber inzwischen spielen so viele Gitarristen mit einem Floyd Rose, dass ich damit aufgehört habe. Ich bin immer gerne etwas anders. Technisch hat man bei so einem System ohnehin nichts als Probleme, wenn einem doch mal eine Saite reißt.

Wie sehen die Pläne für die neue Band nach den 2018er Shows aus? Wir spielen erstmal in Helsinki, Moskau, St. Petersburg, Berlin und Prag. Ich buche nicht gerne viele Shows im Voraus. Ich handle lieber spontan.

Hast du vor, noch mehr Musik unter der Fahne Rainbow aufzunehmen? Liegt vielleicht sogar Songmaterial herum, das nicht für Blackmore’s Night geeignet war?

Hin und wieder denke ich schon darüber nach. Auch das mit den Blackmore’s-Night-Nummern ist mir schon in den Sinn gekommen. Zum Beispiel habe ich überlegt, gemeinsam mit Candice [Night, Ehefrau und Sängerin bei Blackmore’s Night] einige Heavy-Rock-Nummern aufzunehmen, wie wir es auch 1995 gemacht haben. Ich schreibe zwar immer noch auch Hardrock-Nummern, aber das ist schwierig für mich, wenn ich alleine auf einer Akustischen rumklimpere. Für so etwas möchte ich mit einer Band gemeinsam im Proberaum stehen und laut aufdrehen. Zuhause sind es meist nur ich und meine Akustikgitarre.

Könntest du dir vorstellen, Rock-Versionen einiger Blackmore’s-Night-Nummern mit Rainbow umzusetzen? Es gibt definitiv einige Songs, denen man die „Hard’n’Heavy“-Behandlung verpassen könnte.

Vielen deiner alten Soli hast du bei den neuen Rainbow-Shows melodischere Nuancen verpasst. Interessierst du dich überhaupt noch für Geschwindigkeit und „Lärm“?

Reiner Lärm hat mich noch nie interessiert. Davon höre ich schon genug, wenn ich im örtlichen Pub vorbeischaue. Ein Solo sollte immer ein Ausführen, ein Weiterentwickeln des Songs sein: melodisch und mit genug Substanz, um den Song zu bereichern und spannend zu halten. Geschwindigkeit hat mich vielleicht beeindruckt, als ich 18 oder 20 war. Heute höre ich lieber ein gut durchdachtes und ausgearbeitetes Solo.

Dabei fällt mir immer Jimi Hendrix’ „All Along the Watchtower“ ein: Es startet mit dem Thema, geht in einen Wah-Teil über und endet mit einer rhythmischen Akkordsequenz. Viele Gitarristen wären da vielleicht mit tausend Noten drübergefegt, aber Hendrix hatte sich wirklich etwas überlegt. Ein sehr befriedigendes Solo. In einigen Soli setzt du auch ein Slide ein, allerdings anders als die meisten anderen Gitarristen … Ich halte das Slide in der Hand. Das gibt dir eine bessere Kontrolle über das Vibrato, wie ich finde. Pedal-Steel-Spieler machen das auch so. Ich stecke es mir nicht gern auf den Finger, da ist es mir im Weg.

Text: Alexander Pozniak

Fotos: Getty Images