Special: George Harrsion & The White Album

Am 29.11.2001 verstarb George Harrison im Alter von 58 Jahren. Unvergessen bleibt er - und auch seine bisher unveröffentlichten Bonustracks vom White Album der Beatles...

Am 29.11.2001 verstarb George Harrison im Alter von nur 58 Jahren. Sein musikalischer Geist aber bleibt: 50 Jahre nach der Veröffentlichung des "White Albums" ("The Beatles") wurden in diesem Jahr mit Spannung das "neue" Bonusmaterial erwartet. Denn zum 50. Jahrestag gab es eine neu gemixte Edition. Nun mit dabei: Die von George Harrison in Mono gemischten Esher Demos, seit Dekaden nur als Bootleg kursierend.

Im 3-CD-Set inklusive nachgedruckten Foto- und Posterbeilagen oder in der 4-LP-Box, ebenfalls in Stereo. Und erneut waren weite Teile des elitäreren Fan-Zirkels bereits vorab in Aufruhr: Während sich der Normalkonsument über einen ausgewogeneren und transparenteren Stereomix von Giles Martin freuen soll, sieht der Purist darin unweigerlich ein Sakrileg, obgleich die Unterschiede weniger ins Gewicht fallen als bei der „neuen“ Sgt. Pepper’s und so manch schönes Detail der Aufnahme deutlicher hervortritt (die ausführliche Rezension des Anfang November erschienenen Album lest ihr dann in guitar 1/2019!) 
(Dieter Ehneß)

Aber wie ist dieser Meilenstein der Musikgeschichte überhaupt entstanden? Wir gehen mit euch auf eine musikalische Spurensuche...

Das Album The Beatles erschien 1968 als Vinyl-Doppelalbum und ist das neunte Werk der britischen Band. Aufgenommen wurde es von Mai bis Oktober 1969 in den Abbey Road und Trident Studios. Produzent war George Martin. Teilweise wurde er von Chris Thomas vertreten, da Martin es vorzug, in den Urlaub zu fahren. Die Original-Doppel-LP enthielt 30 Songs, die die Beatles in extremer Vielseitigkeit zeigen. Und das, obwohl erste Risse in der harmonischen Fassade der Band zu erkennen waren. Nach dem revolutionären Album Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band und dem Film „Magical Mystery Tour“ experimentierten die Beatles mit fernöstlicher Religion und Mystik und hielten sich eine Weile in Indien auf. Beim Meditationskurs mit Maharishi Mahesh Yogi im Frühjahr 1968 entstanden die meisten Songs des Albums auf akustischen Gitarren.

 

 

Die experimentierfreudigen Beatles


Paul McCartney experimentierte mit Folk („Blackbird“) und Hardrock („Helter Skelter“). Lennon steuerte Bluesrocker („Yer Blues“), Protestsongs („Revolution“) und experimentelle Klangcollagen („Revolution 9“) bei, während Harrison mit dem Song „While My Guitar Gently Weeps“ seinen größten Hit verfasste. Ringo Starr verließ während der Aufnahmen zeitweise die Band, was dazu führte, dass McCartney auf einigen Tracks Schlagzeug spielte.

Revolutionäre Plattenkonzeption

Neben der Fülle an Songs war auch die Anordnung auf dem Vinyl revolutionär. Alle Stücke gingen direkt ineinander über. Manche Songs, wie „Wild Honey Pie“, sind eher kurze Klanginstallationen, die zum nächsten Track überleiten. Geräusche wie Handclaps, Schreie und Unterhaltungen sorgen für ein lockeres Feeling, fernab von disziplinierter Studio-Attitüde. Die Kritiken waren unterschiedlich. W

ährend manche Journalisten das White Album für ein Meisterwerk hielten, empfanden andere es als zu lang und zerfahren. Dem Verkauf taten die durchwachsenen Reaktionen keinen Abbruch. Das White Album schoss in den englischen und amerikanischen Charts an die Spitze. Es verkaufte sich bis heute 30 Millionen Mal. 

Die Ausrüstung der Beatles zu den Zeiten des weißen Albums aufzulisten, ist ein schwieriges Unterfangen. Grund ist die zuvor genannte Soundvielfältigkeit. Einen detailverliebten Einblick bietet das Buch „Der Beatles Sound“ von Andy Babiuk. 

Paul McCartney war Mitte der Sechziger vom Höfner Violin Bass zum Rickenbacker 4001 gewechselt. Beim White Album spielte er ihn über einen Fender Bassman oder Showman oder einen Vox Conqueror. Als akustische Gitarre setzte er eine Martin D-28 ein, für die elektrischen Sachen eine Epiphone Casino

John Lennon spielte das gleiche Modell und eine Gibson J-160 E bei den Akustik-Parts. George Harrison vertraute auf eine Fender Stratocaster oder eine Gibson SG. Als Amps mochten die Beatles den Vox AC30, probierten in ihrer späteren Phase aber auch Modelle von Fender und Selmer aus.

Um den Beatles-Sound zu reproduzieren, kann man entweder alle erwähnten Instrumente als Reissues kaufen – ein teures Unterfangen –, oder man benutzt ein abgespecktes Setup. Für die Akustikparts ist ein klassisches Modell im Stil von Martin die richtige Wahl. Für die E-Gitarre empfiehlt sich ein Semiakustik-Modell mit moderatem Output, das man über einen Röhrenamp mit leichter Zerre spielt. High-Gain-Sounds und Marshall-Türme sind bei Beatles-Sounds fehl am Platz.

 Viele der Sounds, die man auf dem Album hört, wurden durch den kreativen Umgang mit Studioequipment erzeugt. Beispielsweise durch das Übersteuern des Mischpults. Sie lassen sich nicht auf ein charakteristisches Amp/Gitarren-Setup zurückführen. Viele der uns heute vertrauten Aufnahme-prozesse wurden eben erst von den Beatles und ihren Zeitgenossen erfunden beziehungsweise erstmals eingesetzt... Und sind deshalb auch 50 Jahre nach der Entstehung faszinierend!

Text Masterpiece: Martin Schmidt

Fotos: Getty Images

Die Beatles beim Aufnehmen des White Album in den Abbey Road Studios

Die Beatles beim Aufnehmen des White Album in den Abbey Road Studios