Stoppok (Interview)

Er gehört mit seinen inzwischen 64 Jahren mittlerweile fast schon zu den elder statesmen der deutschen Rockszene, in denen er seit Ende der ’70er Jahre unterwegs ist: Stefan Stoppok, einer der eigensten, musikalisch wie inhaltlich anspruchvollsten Köpfe, der nach diversen Erfahrungen bei den großen Plattenfirmen seit langem autonom arbeitet und auch sein neues Album Jubel auf seinem eigenen Label Ground Sound heraus bringt.

Stammen die Songs auf Jubel alle von dir?
Zu neunzig Prozent. „Wenn zwei zueinander passen“ ist ein Cover eines Songs meines Freundes Danny Dziuk. Für mich muss man zu dem Thema keine neue Nummer schreiben. Und für „Ein Sternehotel“, habe ich den Text mit Danny zusammen geschrieben.

Danny ist ein alter Mitstreiter von dir ...
Ja, wir haben in den '90er Jahren viel zusammen geschrieben, ehe wir irgendwann Mitte der 2000er gesagt haben, jeder muss erst mal sein eigenes Profil schärfen. Er ist einer meiner besten Freunde und, wie ich finde, einer der besten Texter, die wir in Deutschland haben.

Du hast in deinen Anfangszeiten mehr Songs von Kollegen übernommen ...

Ja, das war vor schlanken 40 Jahren. In der Anfangszeit – ich bin ja in erster Linie Musiker und fühlte mich gar nicht so berufen, Songs zu schreiben.

Du hast einst in Augsburg auch einen Folkclub betrieben – inwieweit sind dir diese damaligen geschäftlichen Erfahrungen später zugute gekommen?
Du machst ja alles selbst ... Was heißt selber? Ich habe ein kleines Team. Alles selber machen könnte ich nicht. Ich bin kein Geschäftsmann, überhaupt nicht, und die Erfahrungen, die ich damals gemacht habe, haben mir eher gezeigt, dass ich das nicht kann. (lacht) Ich habe dabei draufgezahlt – ich bin überhaupt kein Unternehmertyp. Aber mir war immer die Unabhängigkeit wichtig, und deswegen bin ich – nachdem ich in den 90ern bei den Major-Companies meine Deals hatte – seit 20 Jahren komplett unabhängig und habe zum Glück gute Leute, die das für mich machen.

Wann und wie sind die neuen Songs entstanden?
Da habe ich keine klassische Formel. Ich habe immer ganz viel auf Halde liegen. Was ich sehr gerne mache und auch bei diesem Album ganz bewusst gemacht habe, ist, dass ich mich einfach eine Woche in meine alte Heimat Bayern an den Ammersee verziehe. Wenn ich ein paar Tage alleine bin und mich nur aufs Schreiben konzentriere, packe ich die ganzen alten Ideen auf den Tisch und gucke, wo ich andocken kann. Wenn ich im entsprechenden Modus bin, kommen auch ziemlich schnell neue Sachen angeflogen.

Und wie entwickelt es sich musikalisch? Sitzt du mit der Akustikklampfe da und entwirfst erste Skizzen?
Ja, ich habe immer eine Gitarre in der Hand, um den richtigen Groove zu finden. Das ist für mich das Wichtigste. Ich bin mehr rhythmus-fixiert als melodie-mäßig unterwegs. Dann entwickle ich erst mal den richtigen Rhythmus, auf dem sich der Text dann weiterspinnt. Mein Hauptinstrument dabei ist eine meiner zwölfsaitigen Gitarren, die ich im Open-Tuning gestimmt habe. Damit fange ich eigentlich immer an.

Welche?
Ich habe eine alte zwölfsaitige D35, die habe ich auf D-A-D-G-A-D gestimmt. Das ist so mein Haupt-Tuning. Damit fange ich meistens an. Dann kann es passieren, dass ich merke, in dem Tuning funktioniert das nicht, und dann greife ich mir eine normale Gitarre.

Du arbeitest gerne mit Kontrasten – „Geld oder Leben“ beginnst du mit einer flotten Akustikgitarre, ehe du dann ein E-Gitarrensolo drüberlegst …

Ja, ich muss mich da manchmal zurücknehmen. Da ist eben die Situation, wenn ich im Studio bin – dieses Mal haben wir ein bisschen anders gearbeitet. Die letzten beiden Alben haben wir ziemlich live mit der Band im Studio eingespielt. Dieses Mal sind wir anders rangegangen, auch von der Technologie her. Die letzten beiden hatten wir voll analog aufgenommen, und jetzt habe ich das gemischt, digital und analog. Ich halte das nach wie vor für eines der Highlights, dass der Computer und meine 24-Spur-Bandmaschine wie Freunde zusammen marschieren können. (lacht) Das macht der Adam Smith Zeta Three – das ist für mich das Schlüsselinstrument im Studio, der Synchronizer, der die beiden Welten zusammenbringt. Deswegen habe ich auch viel rumexperimentiert, mit vielen verschiedenen Elektro-Gitarren und vielen Akustikgitarren, ich habe Mandolinen, ich habe Bouzoukis, Banjos – ich muss mich da immer ein bisschen zurücknehmen, dass ich nicht zu viel mache.

Wann entscheidet sich dann, in welche Richtung ein Song stilistisch geht? Du bringst ja alle möglichen Stile zusammen, bist dadurch auch in keine Schublade zu stecken …
Ja. Da gibt es niemals eine konkrete Entscheidung. Da lasse ich mich wirklich leiten vom jeweiligen Song. Zum Glück habe ich da keine Grenzen – setze ich mir selber nicht, mein Publikum mir zum Glück auch nicht.

Das heißt, es ist ein Prozess während des Schreibens und auch während des Aufnehmens?
Genau. Weil ich ja auch noch selber produziere, entscheide ich dann natürlich auch, wie Instrumente zusammen klingen beim Aufnehmen. Das ist noch mal etwas anderes, wie Instrumente live zusammen klingen, wenn du die live einspielst. Instrumente verhalten sich anders zueinander, wenn du sie overdubbst, wenn du ein analoges Signal mit einem digitalen vermischt – da entstehen immer neue Kombinationen. Wobei ich diesmal zum ersten Mal seit langer Zeit das Mischen aus der Hand gegeben habe, weil ich gemerkt habe, dass ich zu lange in dem Prozess drin war. Das hat mein alter Freund Sebel übernommen, der die ganze Sache auf einem alten ATT-Pult gemischt hat.

Du hast in verschiedenen Studios gearbeitet: Hamburg, Los Angeles, Köln und Recklinghausen ...
Weil wir das zum Teil digital gemacht und auch die analogen Signale in den Computer reingezogen haben, konnten wir das rumschicken. In Köln hat der Chor draufgesungen, in Recklinghausen hat Sebel seine ganzen Hammondsounds aufgenommen und gemischt. Da Wally Ingram, unser Drummer in L.A. wohnt, hat er viele Sachen eben dort gemacht. In Hamburg ist die Basis, da habe ich mein Studio, und da habe ich die meisten Basis-Takes eingespielt.

Text: Philipp Roser 
Fotos: Robert Grischek, Tina Acke

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