Test: Guild Starfire II ST Dynasonic Royal Brown

Es war kein geringerer als Jerry Garcia, der die Starfire II mit ihren Dynasonic-Pickups erstmals ins Rampenlicht führte. Wer sein Spiel kennt, sollte bereits erahnen, was uns hier erwartet.

Mit gerade einmal 2,8 Kilogramm schwebt diese Gitarre fast von selbst zur Tür herein und präsentiert sich mit ihrem königlichen Braun bestens auf der Couch des Testers. Das geringe Gewicht ist zum Einen natürlich der Bauweise als Quasi-Hollow-Body geschuldet, zum Anderen ist die Zargentiefe mit 48 mm für ein solches Modell sehr gering gehalten und spielt in der Thinline-Liga. Die Starfire II ist natürlich ein bekanntes Gitarrenmodell, das jeder von uns schon mehrfach zumindest gesehen hat, dennoch muss man sagen, das die Präsentation durchaus geschmackvoll ist.

Der aus laminiertem Mahagoni gefertigte Korpus wurde, wie der Hals und die Rückseite der Kopfplatte makellos in einem transparenten Braun lackiert, die Kopfplattenfront präsentiert sich in deckendem Schwarz. Um die Konturen in Szene zu setzen finden wir auf Vorder- und Rückseite des Korpus ein elfenbeinfarbiges Binding, von dem ebenfalls das Griffbrett eingefasst wird. Decke und Boden der Starfire II sind natürlich gewölbt und in Kombination mit der in Schwarz und Gold gehaltenen Hardware ergibt sich ein tolles Lichtspiel. Die beiden F-Löcher sind nicht mit einem Binding kontrastiert, es würde dann auch irgendwann zu viel des Guten werden. Unter der Tune-O-Matic-Brücke mit dazugehörigem Stoptail-Piece finden wir hier auch den einzigen massiven Holzanteil in Form eines dicken Holzblocks. Dieser bietet der Brückenkonstruktion ausreichend Halt und dient ganz nebenbei noch dazu, die Eigenschwingungen der Decke zu dämpfen, und damit Rückkopplungen bei höheren Lautstärken besser zu beherrschen.

Auf die Decke

Die beiden DeArmond-Singlecoil-Tonabnehmer sind direkt auf die Decke geschraubt und passen sich optisch ebenfalls bestens in das Gesamtbild ein, die elektrische Verwaltung erfolgt über ein Volumen- und Ton-Poti je Tonabnehmer sowie einen Dreiweg-Kippschalter. Der ebenfalls aus Mahagoni gefertigte Hals mit seinem „Vintage-Soft-U“-Profil wurde eingeleimt und schmiegt sich wohlwollend in die Greifhand. Mit 20 Millimetern Dicke im ersten Bund ist auch ein Übergreifen mit dem Daumen locker möglich. Die ebenfalls in Gold ausgeführten, offenen Stimmmechaniken aus dem Hause Guild im Vintage-Look runden das absolut stimmige Gesamtbild ab. Sie verrichten ihre Arbeit solide und laufen angenehm straff. Ab und an ein Tropfen Öl und diese Art der Mechaniken bleibt dauerhaft geschmeidig. Auf dem polierten, aus Ebenholz gefertigten Griffbrett tummeln sich 20 schmal gehaltene Bundstäbchen, die ordentlich verrundet und auf Hochglanz gebracht wurden. Zur Orientierung dienen schwarze Punkteinlagen auf der Griffbrettflanke sowie Pearloid-Punkteinlagen im Griffbrett selbst. Mit einem Griffbrettradius von 9,5“ findet man sich ebenfalls in die gute alte Zeit zurück versetzt – ein guter Kompromiss zwischen 7,25“ (Vintage-Fender) und 12“ (Gibson).

Werkseinstellung und Bundbearbeitung sind derart akkurat, dass Bendings ohne weiteren Aufwand sauber gezogen werden können ohne abzusterben. An dieser Stelle sei auch der Sattel aus synthetischem NuBone erwähnt, der sauber abgerichtet wurde und ein hohes Maß an Stimmstabilität mit sich bringt, auch wenn die Saiten nach dem Verlassen des Sattels teils deutlich um die Ecke gezogen werden.

Mit ihrem geringen Gewicht hängt die Starfire II ziemlich entspannt am Gurt, nur bei einem dünnen Gurt mit glatter Oberfläche zeigt sich eine leichte Tendenz zur Waagerechten, die ebenfalls goldenen Gurtpins bieten dem Gurt recht guten Halt, bei leicht ausgenudelten Endstücken hätte ich hier allerdings keinen Ruhe-Puls.

Akustisch angespielt präsentiert sich die Guild klassisch näselnd mit gesundem Sustain und einem sonoren Bass, die Lautstärke und das Bassfundament entsprechen natürlich nicht ganz dem einer Kollegin mit größerem oder tieferen Korpus, es reicht so aber auch locker für die Unterhaltung der Angebeteten auf der heimischen Couch, ohne gleich den Verstärker herausholen zu müssen.

Dynamik satt

Singlecoil-Tonabnehmer in einer Semihollow sind mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, bieten aber doch eine breite Palette an Sounds. Im Gesamtkontext erklingt die Starfire II recht leise, bietet aber aufgrund der geringen Kompression einen großartigen Dynamikumfang und damit unendliche Möglichkeiten der Tonformung.

Und schon sind wir wieder bei Jerry Garcia ... wie eingangs bereits erwähnt, „Wer sein Spiel kennt“ ... Wer es noch nicht kennt, sollte sich da übrigens mal schleunigst schlau machen.

Immer dominant präsentieren sich die breit aufgestellten Bässe und das nasale Grundtimbre, das auch schon in der Konstruktion mitschwingt. Am Steg können bei kräftigem Anschlag britzelnde Höhen mit teils schneidendem Charakter erzeugt werden, je nach Spielweise kommen hier die wirksam arbeitenden Tone- und Volumepotis zum Einsatz. Der Kollege am Hals breitet sich vor allem in den Tiefmitten nochmals etwas mehr aus und so können bei zurückgeregelter Tonblende schon nahezu jazzige Klänge erzeugt werden. Die Mittelstellung kommt mit kräftiger Mittenbetonung und schreit geradezu nach Fingerstyle. Das macht Laune.

Auch bei leichtem Overdrive bleibt das Klangbild erhalten, je nach Lautstärke muss man jetzt allerdings schon auf seine Position zu den Amps achten. Wie gesagt, die Starfire II ist großteils hohl und dadurch einfach sehr anfällig. Wenn sich jetzt die Tonabnehmer noch ein Störsignal einfangen, wird es schnell unangenehm. Es sei aber nochmal klar gesagt, dass das bei Gitarren dieser Bauart und Ausstattung einfach so ist, hier machen Guild nichts schlechter als andere. Zum Ende hin bleibt noch ein kleiner Wermutstropfen, der Pickup-Wahlschalter gibt bei seiner Betätigung ein Knacken von sich. Bei der sonst hohen Fertigungsqualität gehe ich davon aus, dass es sich um einen Einzelfall handelt.

Das bleibt hängen

Grundsätzlich haben wir es hier mit einer grundsoliden Thinline-Hollowbody zu tun, die mit hoher Fertigungsqualität und guter Werkseinstellung zu überzeugen weiß. Ob man mit den DeArmonds glücklich wird, ist reine Geschmackssache, Spaß macht es aber allemal. Für Humbuckerfreunde findet sich sicher was anderes bei Guild. Das Teil hier ist top!

Guild Starfire II ST Dynasonic Royal Brown

Herkunft: Korea
Korpus: Mahagoni
Hals: Mahagoni
Halsprofil: U-Profil, moderat
Griffbrett: Ebenholz
Griffbrettradius: 9,5"
Sattel: NuBone
Bünde: 20, schmales Jumbo-Format
Mensur: 24,75" / 62,8 cm'
Pickups: DeArmond Dynasonic (Hals und Steg)
Regler: 2x Volume, 2x Tone
Schalter: Dreiweg-Kippschalter
Hardware: Guild Open Gear Vintage Style Tuner, Tune-o-Matic-Brücke mit Stoptail-Piece
Linkshändermodell: nein
Internet: www.guildguitars.com

Preis: 1049,- €

Text: Markus Kaffka

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