Test: Music Man Majesty Red Sunrise

Die Music Man Majesty ist so etwas wie der Ferrari unter den Gitarren. Aber kann das High-End-Instrument halten, was es verspricht?

Music Man gelang mit der Majesty 2014 unter Anweisung von John Petrucci ein eigenständiger Gitarrenentwurf, der sich am Markt hoher Beliebtheit erfreut und inzwischen in die vierte Generation geht. Auch in der aktuellen Kollektion bleibt der Hersteller dem Produkt treu. Veränderungen betreffen in erster Linie Optik und Abstimmung, die die Modellserie in unterschiedliche Geschmacksrichtungen ausbauen. Ansonsten bleibt alles beim Alten: Jede Majesty ist als sechs- oder siebensaitiges Modell erhältlich.

Das leichte Instrument verfügt über einen explizit schlanken Korpus mit asymmetrischen Cutaways, einen durchgehenden Mahagoni-Hals, ein lackiertes Ebenholzgriffbrett mit 24 Edelstahlbünden und Majesty-Logo im ersten Bund sowie Schaller-Klemmmechaniken. Die Elektronik besteht aus zwei passiven Humbuckern von DiMarzio sowie einem Fishman-Piezosystem

Per Push-Push-Funktion schaltet man einen integrierten Vorverstärker mit bis zu 20 dB Boost zu. Dank Stereoausgangsbuchse lässt sich das Signal der magnetischen Tonabnehmer und des Piezosystems per Y-Kabel auf zwei Verstärker verteilen. Im Stereobetrieb lässt sich über eine Umschaltfunktion im dritten Poti dann zwischen beiden Verstärkern wechseln. Nutzt man ein Monokabel, werden alle Tonabnehmer an einem Ausgang kombiniert. Rückseitig sind der Hub des Boosters, ein Pegelabgleich des Piezosystems sowie dessen Bass- und Höhenequalizer über Trimpotentiometer justierbar. Hier befindet sich auch das Batteriefach mit Schnappverluss.
Die Pickupwahl erfolgt über einen Dreiwegeschalter – Steg, Steg/Hals, Hals. Eine Push-Push-Funktion im Tonregler konfiguriert die Mittelposition neu und kombinert dann die beiden inneren Spulen der Humbucker parallel miteinander. Zum Einsatz kommt dabei eine digitale Umschaltung der analogen Signalwege – eine Technik, die dem Modell Gamechanger entstammt, hier aber nicht frei konfigurierbar ist. Ein zweiter Dreifachschalter am oberen Cutaway wechselt im Monobetrieb zwischen magnetischen und piezo-elektrischen Tonabnehmersystem oder kombiniert beide Klänge.

Was ist neu?

Die aktuelle Kollektion ist in sieben Finishes erhältlich: Tiger Eye, Dark Roast, das Testmodell Red Sunrise, Blue Honu, Enchanted Forest, Stealth Black und Kinetic Blue – allesamt in Kalifornien gefertigt und jeweils in sechs- oder siebensaitigen Varianten verfügbar. Sie lassen sich wie folgt untergliedern: Red Sunrise, Dark Roast, Blue Honu und Enchanted Forest verfügen vorder- und rückseitig über hochglänzend, transparente Burstlackierungen. Die obligatorische Ahorndecke des Schilds zeigt die dekorative Maserung des Holzes, während die Korpusflügel aus afrikanischem Mahagoni bestehen. Nur das letztgenannte Modell kommt mit mattschwarzer statt chromfarbener Hardware. Deckend lackiert ist das mattschwarze Stealth-Modell, während die Variante Kinetic Blue je nach Lichteinfall zwischem kräftigen Blau und Violett changiert. In diesen Modellen wurde auf eine Decke und den Schild verzichtet. Dazu kommen wie bei den ersten Modellen Korpusflügel aus amerikanischer Linde zum Einsatz. Weitere Änderungen gibt es in der Elektronik. Waren in der ersten Serie Illuminator-Humbucker und in der Monarchy Sonic Ecstasy-Humhucker von DiMarzio verbaut, so setzen die neuen Modelle auf die aktuellen Signaturemodelle Dreamcatcher (Steg) und Rainmaker (Hals), ebenfalls von DiMarzio und rahmenlos montiert. Man kann aber davon ausgehen, dass es sich wie bei den Vorgängern erneut um Modelle mit recht kräftigen aber nicht übertrieben starken Keramikmagneten handelt.

 

 

 

So spielt sie sich

Zumindest ich merke dieser Gitarre den Wunsch nach höchster Ergonomie unmittelbar an. Stets habe ich das Gefühl, mit einem modernen Hochleistungsaggregat zu arbeiten, das jedoch klassische konstruktive Aspekte wissend absorbiert hat. Das schlanke und eigenständige Design hängt balanciert am Gurt, während die sinnvolle Konturierung, die traumhafte Saitenlage und die Erreichbarkeit der hohen Lagen für eine erstklassige Bespielbarkeit sorgen. Auch die Anzahl und Positionierung der dekorativ in die Oberfläche eingelassenen Bedienelemente ist einfach überzeugend. Der Hals findet den Mittelweg zwischen flachem und dennoch griffigen, aber nicht allzu breiten Profil. Am anderen Ende kann die rechte Hand ungestört agieren, denn das Music-Man-Vibratosystem ist herrlich flach ausgeführt. Es arbeitet geschmeidig, zuverlässig und weitgehend verstimmungsfrei. Es ist dabei nicht für extreme Divebombs ausgelegt. Auch mag es aufgrund seiner freischwebenden Konstruktion für Rhythmusgitarristen, die ständig Palm Mutes abfeuern, nicht die erste Wahl sein. Die Majesty ist ein filigranes Instrument. Wer große Hände hat oder hart auf seine Gitarre eindrischt, findet eventuell sinnvollere Alternativen. Andererseits gibt es kaum ein Instrument in dieser Klasse, das mit identischen technischen Eigenschaften verfügbar ist. Eine fachmännische Konstruktion und die resultierende leichte, präzise und schnelle Spielbarkeit sind wichtige Aspekte eines hochwertigen Instruments.

 

So klingt sie

Noch wichtiger jedoch ist der Klang. Tatsächlich löst die Majesty auch hier alle Wünsche ein. Es beginnt beim exzellenten Schwingverhalten. Trocken gespielt spricht sie schnell und herrlich ausgewogen an und schwingt sauber aus. Der Ton ist gleichermaßen offen und füllig, sodass sich hier eine wunderbare Grundlage für die folgende Elektronik bietet, die am Verstärker jede Menge Optionen offeriert. Der Cleanbereich ist schlicht fantastisch und wunderbar flexibel. Man hat die Wahl zwischen dem dicken und dennoch artikulierten Ton des Halstonabnehmers und der herrlich luftigen Zwischenposition beider Tonabnehmer im Splitmodus. Alternativ liefert das Piezosystem einen nahezu akustischen, transparenten Sound, der allein ebenso überzeugt wie in Kombination mit den magnetischen Tonabnehmern. Mit angezerrten und insbesondere verzerrten Klängen zeigt sich der Stegtonabnehmer ausgewogen, definiert und satt. Der Sound ist tendenziell warm und füllig, jedoch mit der nötigen Definition und Transparenz. Die Tonabnehmer würde ich als rock- und metaltauglich im besten Sinne beschreiben. Gleichzeitig ist die Abstimmung eher klassisch. Ein Metalmonster sollte man nicht erwarten. Das Attack ist ausgeprägt aber nicht überbetont. Somit gelingen schnelle Riffs, Licks und Soli ebenfalls bestens. Wer sich mehr Wärme und singende Sounds wünscht, der wechselt auf den Halstonabnehmer, der diese Aufgabe mit Leichtigkeit meistert, dabei aber definiert bleibt. Dabei kann man jederzeit über den Boost einen eventuell benötigten Turbo zuschalten. Auch in Sachen Dynamik leisten sich die Tonabnehmer keinen Ausfall, sodass im Crunchbereich fliessende Übergänge von leichtem Aufbrechen in Richtung saftige Ladung gelingen, wobei der sich der Boost ebenfalls als weiterer echter Bonus entpuppt. Einzig für knochige Crunchsounds im Marshall-Stil sind mir die Humbucker zu poliert.

Das bleibt hängen

John Petruccis Majesty bleibt eine gleichermaßen edle und inspirierende Gitarre. Die Konzeption ist modern, was sich an der technischen Ausstattung aber auch an der konsequenten Verfügbarkeit eines siebensaitigen Modells zeigt. Gleichzeitig finden sich aber auch klassische Elemente, insbesondere in der Optik. Für einen zugegeben hohen Preis erhält man ein traumhaft verarbeitetes Instrument mit makelloser Bespielbarkeit und bester Klangqualität. Die Majesty ordnet sich für mich persönlich in die Riege der besten modernen Gitarren ein, die man aus Serienfertigung kaufen kann.  Übrigens: Die Preise für die deckend lackierten Varianten fallen mehrere hundert Euro günstiger aus. Wer also mit ein wenig schlichterer Optik leben kann, hier gibt‘s eine Option. Top!

Music Man Majesty Red Sunrise

Herkunft: USA
Korpus: modellabhängig Mahagoni, Erle oder Linde
Decke: Ahorn, geflammt
Hals: Honduras-Mahagoni
Halsprofil: D-Profil, flach
Griffbrett: Ebenholz
Griffbrettradius: 17“
Sattelbreite: 43/47 mm (6-/7-Saiter)
Bünde: 24 Medium-Jumbo (Stahl), 2 x 1,2 mm
Mensur: 25,5“/ 64,8 cm
Pickups: 2 passive Humbucker DiMarzio Dreamcatcher und Rainmaker, Fishman Piezosystem
Regler & Schalter: Master-Volume, Master-Tone, Piezo Volume, Push/Push-Funktionen für Preamp, Coil Split, Toggleschalter Mono/Stereo, 3-Wege-Pickupschalter, 3-Wege-Umschalter für Tonabnehmertyp
Hardware: Custom Piezo Floating Vibratosystem, Preamp, Schaller M6 Klemmmechaniken
Gewicht: 3,0/3,1 kg (6-/7-Saiter)
Linkshändermodell: nein
Internet: www.music-man.com
Empf. VK-Preise 4.199/4.549,- E (6/7 Saiten) inkl. Koffer



Text: Ulf Kaiser