Test: Orange Brent Hinds Terror

Orange widmet Mastodon-Frontmann Brent Hinds ein eigenes Terror-Modell. Was komt heraus, wenn sich zwei Schwergewichte zusammentun?

Wie relevant Mastodon geworden sind, zeigt nicht nur die jüngste Grammy-Auszeichnung für die „Best Metal Performance“. Auch die Industrie hat den Progressive-Metal-Vierer schon lange auf dem Radar. Der Brent Hinds Terror ist das letzte Stück in einer nun geschlossenen Endorser-Linie: Von Epiphone gibt es die passende Signature-Flying-V, Gitarrenkollege Bill Kelliher hat einige Modelle aus dem Haus ESP und dazu einen eigenen Friedman-Amp namens Butterslax.

Dieses Aggregat bleibt mit rund 4.000 Euro allerdings nur den härtesten und betuchtesten Fans vorbehalten; Brent Hinds’ Minitop liegt mit einem Ladenpreis von 700 Euro in deutlich volksnäheren Regionen (bis zum 18.4. habt ihr die Chance, bei unserer Verlosung einen Orange Brent Hinds Terror zu gewinnen). Klar, ist ja auch nur ein Minitop. – Nur? Die Orange Terrors haben den Ruf, die Liga der Lunchbox-Amps ins Leben gerufen zu haben.

Das erste Signature-Modell aus dieser Reihe wurde dem Slipknot-Gitarristen Jim Root auf den Leib geschneidert. Brent Hinds’ Version ist ein Ableger des ebenfalls frisch vorgestellten Rocker 15 Terror, der auf dem entsprechenden Combo basiert. Optisch unterscheiden sich beide Modelle durch Brents Unterschrift und das stilisierte Gesichts-Tattoo auf der Vorderseite sowie das Mastodon-Logo auf der Rückseite. Dazu ließ er seine Version anders abstimmen, die beiden variieren also auch klanglich.

Zwischen Welten und Nuancen

Es liegen keine Welten zwischen ihnen, mehr als Nuancen sind es aber durchaus. Grundsätzlich ist der Amp zwar selbsterklärend, doch zumindest eine Besonderheit von Brents Terror findet man erst dort: Der Mastodon-Mastermind ließ seine Version so abstimmen, dass der Zerrkanal bei niedrigeren Gain-Settings etwas höhenreicher klingt und bei zunehmendem Schub fetter wird. Im Netz liefert Orange dazu einen besonderen Service: Wer nicht weiß, für welchen der beiden Terrors er sich entscheiden soll, findet weiter unten auf der Seite direkte Vergleiche zwischen beiden.

Der Hinds-Terror ist ein Zweikanaler, dessen Natural-Channel sich ausschließlich im Pegel regeln lässt, der Drive-Kanal kommt mit Reglern für Verzerrung, Bässe, Mitten und Höhen sowie Lautstärke – und dem im Orange-typischen „Pics-only“-Design.

Seine Endstufe leistet 15 Watt, die über einen Schalter auf der Front auf 7 Watt reduziert werden können. Dieser Switch dient gleichzeitig als Standby. Links daneben sitzt der Netzschalter, rechts davon werden die Kanäle angewählt. Da der Terror auch mit 7 Watt noch mehr als ordentlich laut ist, hat ihm Orange auf der Rückseite einen Schiebeschalter mit dem schönen Namen „Headroom/Bedroom“ spendiert, der die Leistung auf 1 respektive 0,5 Watt im Half-Power-Betrieb reduziert.

Hinds mit V


Damit lassen sich satte Sounds auch auf niedrigeres Niveau reduzieren. Im Inneren des Amps arbeiten gut geschützt insgesamt sechs Röhren – in der Vorstufe sitzen drei ECC83-Kolben, die Endstufe ist mit zwei EL84ern bestückt, die zusätzliche ECC81 kümmert sich um den Effektweg. Die entsprechenden Buchsen sitzen auf der Rückseite zwischen drei Speaker-Anschlüssen und dem Input für den optionalen Kanalfußschalter.

Für ein möglichst authentisches Hinds-Feeling hängen wir eine Flying V vor den Terror und hören uns zunächst den „Natural“-Kanal an. Dieser tönt mit Humbuckern warm und voll und geht im Verlauf des Regelwegs sukzessive in einen satten Crunch über.

Beim Schmutzkanal geht es dann vollends zur Sache. Er bietet jede Menge Zerrreserven für fettes Riffing und Solopassagen. Dezent tönt es dabei allerhöchstens im ersten Drittel des Regelwegs, ab da liefert der Amp einen deftigen Hardrock-Sound, der schließlich in Metal-Gefilde führt. Mit der Klangregelung sind auch gescoopte Klänge machbar, dennoch bleibt der Terror immer erdig.

Das bleibt hängen

Ob Mastodon-Fan oder nicht – wer sich für deftige Zerrsounds aus einer kleinen Kiste erwärmen kann, findet im Brent Hinds Terror einen Partner für Leben. Als hauseigene Alternative ohne Insignien und mit anderer Sound-Abstimmung schickt Orange mit dem Rocker 15 Terror ein weiteres Schwergewicht ins Rennen. Hardware und Sounds überzeugen, und auch die besondere Optik der Briten-Amps macht immer wieder Freude.



Text: Chris Hauke

Fotos: Christopher Przybilla

Lasst euch den unterhaltsamen Werbespot nicht entgehen, in dem sich Brent in lässiger Pose auf dem Motorrad präsentiert und in obercooler Manier den Sound des Orange Terror erklärt

Brent scheint sich mit seinem neuen Gefährten wohl zu fühlen...