Wacken 2019 - Der Rückblick Teil 2

30 Jahre Wacken - hier findet den zweiten Teil unseres Rückblicks und die besten Bilder des Festivals!

- Jon Schaffer von Iced Earth und Demons & Wizards ist Doppelsieger. Zum Einen hat er den 80er-Metalhead-Look mit Bandana und Bartfarbe abgelegt und zeigt sich nun als weißhaariger Rock-Gentleman, was ihm hervorragend steht. Zum Anderen bringt er mit einer bildhübschen Custom-Paula samt Wölkchenahorn-Burst die schönste Gitarre auf die Bühne.

- Ergraut ist auch der Jägermeister-Hirsch. Damit das ausgeblichene Holz nach vielen Festivals nicht arm aussieht, hat EMP der Aussichtsplattform aus vielen T-Shirts ein Kleidchen zusammengetackert. Das Werbetier geht danach in Rente, das war sein letztes Wacken. Was 2020 an seiner Stelle im Infield steht? Wir tippen auf eine Maya-Pyramide.

- Im Hirsch treffen wir auch Sven – wir nennen ihn einfach so. Vorgestellt hat er sich nicht. Als der guitar-Fotograf sein Teleobjektiv auf die Bühne anlegt, meint Sven: „Aaaalter, warum hast du denn so ein Riesenteil dabei?“ – „Na ja, das ist mein Beruf.“ Wir zeigen ihm das Armband mit der Aufschrift „Photo“. Sven guckt lange drauf und meint: „Und wie heißt dann der Beruf?“ Die passende Antwort „Zahnarzt!“ fällt uns erst später im Camp beim Feierabendbier ein.

- Slayer sind Slayer, sind ... raus. Der letzte deutsche Festival-Auftritt der Band, die sich auf Abschiedstour befindet, wird routiniert durchgeballert. Interaktion mit dem Publikum, das sich frenetisch am Bandnamen und den Refrains heiser brüllt, gibt es kaum. Dabei ist das alles nicht schlecht, Tom Arayas Vocals klingen wirklich gut, und dass Hannemann-Ersatz Gary Holt seit 2014 der beste Musiker bei Slayer ist, zeigt sich auch heute. Ein bisschen mehr als Arayas drei Sätze inklusive „This was it!“ zum Schluss hätte man dennoch erhoffen können. Aber so manche Band hat sich schon schlechter verabschiedet, musikalisch gesehen. Also: Thanks for the thrash!

- Nochmal Slayer: Die versauen den meisten vorher speziell für sie angemeldeten Fotografen kurzfristig den Tag. Kurz vor der Show werden alle Foto-Akkreditierungen für und durch die Band gestrichen. Auch Wackens Presse-Crew ist not amused. Kaum besser machen das Demons & Wizards, welche die schlechte Nachricht für die Shooter direkt am Graben vor dem Auftritt verbreiten, hier gibt´s aber wenigstens einen nachvollziehbaren Grund: Auf den Subwoofern, und damit direkt vor den potenziellen Linsenschwenkern, stehen Extra-Pyros.

- Überhaupt Pyros: Die sind inzwischen fast so selbstverständlich wie buntes Licht, auch am Nachmittag. Gewinner im Wettrüsten sind Powerwolf, die je eine Reihe vor und hinter der Band anbringen und auch noch portable Flammenwerfer zücken. Das erfordert strenge Disziplin, dennoch sieht die geprobte Show nicht steril aus. Ach ja: Wer gut mitdenkt, sperrt dabei auch nicht die Fotografen aus (siehe Bild).

- Auch Powerwolf: Gäbe es eine Poser-Akademie, müsste man allen Bandmitgliedern sofort eine Professur anbieten. Nicht nur die Greywolf-Brüder agieren – und spielen – perfekt, im 15. Jahr ihres Bestehens ist das gesamte Wolfsrudel für Fans ein theatralischer Genuss.

- Airbourne sind der Gegenpol zu all den Inszenierungen. Obwohl: Ritt durchs Publikum und blendend weißes Licht sind ja auch schon Routine. Dennoch hat der auf der Bühne gemischte Jacky & Coke, der Lemmy gewidmet ist, immer noch Charme. Ob Joel und Co. wirklich JCM 800, 2000, einen JMP und einen Silver Jubilee bestellt haben oder der Verleiher nur diese Sammlung hatte? Auf jeden Fall ist der klassische Sound unschlagbar gut gemacht, und drei der pro Gitarrist insgesamt sechs Fullstacks sind tatsächlich an. Wir konnten sie im Fotograben deutlich hören. Keine Sorge: Unser Reporter kennt die Songs gut genug, um zu wissen, wann man den Gehörschutz kurz rausziehen kann.

- Hammerfall sind beinahe ebenso schnörkellos wie Airbourne und ein Garant für Festivalauftritte. Der Tontechniker komprimiert das Summensignal aber so stark, dass von der Gitarrenwand oft nur ein Bienenschwarm übrig bleibt. Kann die Band nix für, das Publikum zeigt sich aber – soweit befragt – durchgehend enttäuscht. Auch ein Platzwechsel, auf Wacken immer eine gute Idee, hilft diesmal nicht.

- Andersrum machen das Uriah Heep, die schon in der Mitte des völlig überfüllten Platzes vor der für sie viel zu kleinen Louder-Stage kaum zu hören sind. Wer vorne war, berichtet von einem tollen Konzert. Glauben wir einfach mal, denn selbst hören konnten wir das nicht.

- Überraschung des WOA sind für uns The Lazys. Die betonen zwar auch ständig, dass sie australische Wurzeln haben, sind aber dennoch etwas anders als AC/DC oder Airbourne. Zwar ist das auch groovender Heavy-Rock, aber je nach Stück etwas rotziger oder sogar ruhiger als die großen Vorbilder. Diese Band zwingt je nach Song geradezu zum Mitfeiern oder konzentrierten Zuhören. Mal gucken, ob das auf den richtig großen Bühnen auch so gut funktioniert wie im clubähnlichen Biergarten.

- Handwerklich enttäuschend sind auf ganzer Länge die Sisters Of Mercy. Denn nur zwei Gitarren, zwei Notebooks und ein Sänger – also volles Rhythmus-Playback – klappen nur mit viel Proben als guter Festival-Gig. Dass immer mal wieder Mikros oder Instrumente ausfallen, passt da nur ins Bild.

- Kaum besser geht es SikTh. Deren auf Platte so tolles Gefrickel mit schönen Melodien funktioniert an dem Tag im Zelt einfach ums Verrecken nicht. Das gibt die Band selbst, anders als die Sisters, auch nach dem ersten Song zu und stellt kurz das Programm auf ein paar simplere Songs um, weil der Sound einfach nicht hergibt, was die Band heute will. Mit flockigen Ansagen und ein bisschen echter oder vorgetragener Hemdsärmeligkeit kann man eben auch solche Shows retten.

- Was Charme ausmacht, kann man sich auch von Rapper und Schauspieler Ice-T abgucken. Der Frontmann von Bodycount erzählt Anekdoten, gibt praktische Lebenshilfe und erklärt sich kurzerhand zum Onkel des jüngsten Fans. Der 10-jährige Junge, den er mit einem Mädchen verwechselt, wird samt Mama in die erste Reihe eskortiert und bekommt ein T-Shirt. Selbst der Mann mit der Traumkarriere ist von Wacken beeindruckt und erfindet kurzerhand die von ihm so genannte „virtuelle Zugabe". Und zwar so: „Wisst ihr, ich bin zu faul, um von der Bühne zu gehen. Also drehe ich mich nur eine Minute um, ihr schreit 'Bodycount' und wir machen weiter. Ist das OK?“

- Noch mehr Herzlichkeit versprühen trotz allen Core-Geballers nur Parkway Drive. Erst zieht die Band plus Fackelträger quer durchs Publikum auf die Bühne. Dann gibt es zwei Songs ohne Bass. Denn Jia O'Connor hatte sich nur fünf Tage vorher am Knie verletzt und wird erst vor dem dritten Stück im Rollstuhl auf die Bühne geschoben – und zwar von seiner Mutter. Sowas kann peinlich werden, aber Wacken findet‘s toll. Vor allem weil Sänger Winston McCall der Mama einen Crowdsurf-Ausflug versprochen hat, ihren ersten. Die Fans tragen Frau O'Connor brav zum FOH, denn da wollte sie hin.

- Überhaupt, Fans: Zwei besondere Exemplare, sehr jung und feierfreudig, treffen wir direkt neben der Bühne im Abstand einer halben Stunde. Erst kommt „Der Betrunkene“. Er trägt ein Schild, dass man ihn bei Erreichen des Pegels zu einer Laura bringen solle. Der Hinweis ist berechtigt, denn die Dame sucht er bereits. Er taucht in die Menge ab, eine halbe Stunde später kommt Laura an uns vorbei, um den Hals das entsprechende Gegenstück von Schild. Wir können nur grob die Richtung des Betrunkenen angeben. Die Idee war gut, die Beschreibung des Gesuchten vielleicht geringfügig unpräzise.

 

Text: Nico Ernst
Fotos: Nico Ernst & Anja Kaul

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