Wissenschaft trifft E-Gitarre

Auf der DAGA 2018 - der jährlichen Tagung der Deutschen Gesellschaft der Akustik - waren auch einige wissenschaftliche Auseinandersetzungen rund um E-Gitarre, Amps und Co zu finden...

Knapp über 1500 Besucher aus 21 Ländern tummelten sich auf der diesjährigen DAGA 2018. Vom 19. bis zum 22. März fand die diesjährige Tagung für Akustik an der Technischen Universität München in Garching statt.

Für Gitarristen wurde es insbesondere am Mittwoch interessant. Da fand die Sitzung zu Thema „Elektrogitarre und ihre Signalverarbeitung“ statt. Hier dozierten wissenschaftliche Experten über die neuesten Erkenntnisse rund um E-Gitarre und Zubehör. So erläuterte Felix Eichas von der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg virtuell-analoges Modeling mit dem Wiener-Hammerstein-Modell. Seine Untersuchungen und Hörversuche zeigen, dass die Unterscheidung zwischen einem analogen und einem virtuell-analogen Gitarrenklang schwerfällt. Lediglich bei steigender Verzerrung ist ein Unterschied minimal festzustellen. Von den aktuellen Modellen wünscht sich Eichas allerdings eine bessere und nutzerfreundliche Bedienbarkeit.

Vera Erbes von der Universität Rostock legte dar, dass das Netzteil eines Gitarrenvestärkers eine durchaus große, physikalisch nachweisbare Auswirkung auf den Klang eines Verstärkers hat. Hierbei ging es um das so genannte „Sagging“, das Einbrechen des Tones kurz nach dem Attack. In der Praxis ist diese für den Gitarristen nur minimal hörbar. Inwieweit dies im Bandkontext dann überhaupt eine Rolle spielt, ist noch zu untersuchen.

Wolfgang Klippel von der gleichnamigen Firma machte in seinem Vortrag zu Lautsprecher deutlich, dass im Tieftonbereich bei hohen Amplituden ein eklatant nichtlineares Schwingungsverhalten auftritt“.

 

 

Forum für Fragen rund um die Gitarre

Weitere Themen waren der Klang von Gitarrensaiten (Maximilian Schäfer), Schaltungstechniken in Röhrenverstärkern (Alexander Potchinkov) und authentisches Modeling für Amps und Effektgeräte( Kristjan Dempwolf).

Zu guter Letzt sprach guitar mit Manfred Zollner, Missionar für die E-Gitarre auf wissenschaftlicher Ebene und Autor des Buchs „Physik der Elektrogitarre“. Er stellte seine neuesten Erkenntnisse zu nichtlinearen Verzerrungen vor. Ein Insidertipp ist sein vor einigen Jahren gegründetes Forum „Gitec“. Hier können Gitarristen alle Fragen rund um Technik und Klang stellen – und mit einigen Herstellermythen oder falschen Anwendungen wird so aufgeräumt.

Fotos: Wolfgang Hönlein

E-Gitarre im Hörsaal bei der DAGA 2018

E-Gitarre im Hörsaal bei der DAGA 2018