Workshop: Tom Petty – Schönheit kann so einfach sein

Wir müssen uns daran gewöhnen, dass beinahe täglich für unsere Generation prägende Künstler von uns gehen. Doch Tom Pettys Tod kommt unerwartet. Noch ein paar Tage vorher hatte er die letzte Show der Tour zum 40-jährigen Jubiläum von Tom Petty and the Heartbreakers gegeben, doch am 2. Oktober 2017 verstummte einer der größten US-amerikanischen Musiker für immer.

Fünf Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs kommt Thomas Earl Petty am 20. Oktober 1950 in Gainesville, Florida, zur Welt. Sein Vater versteht nicht, warum sich sein Sohn für Dinge wie Musik und Kunst interessiert, und lässt ihn das körperlich und verbal spüren. Petty bezeichnet sein Verhältnis zum Vater später beinahe lakonisch als „schwierig“. Zu anderen Familienmitgliedern ist die Beziehung deutlich enger, nicht nur zu Mutter und Bruder.

Im Sommer 1961 nimmt sein Onkel den damals gerade mal elf Jahre alten Tom zu den Dreharbeiten von Follow That Dream (auf Deutsch: Ein Sommer in Florida) mit und macht ihn sogar mit dem Hauptdarsteller bekannt: Elvis Presley höchstpersönlich.

Petty beschreibt diesen Moment im Rückblick lächelnd als alles verändernd: „Ich war nicht darauf vorbereitet, dass sich mein Leben innerhalb einer Minute komplett auf den Kopf stellt. Aber genau so ist es passiert. Es war nicht ganz so, wie Jesus zu treffen, aber ziemlich nahe dran.“ Wieder zu Hause angekommen, tauscht er Spielzeug gegen Elvis-Singles und entdeckt langsam, aber sicher die Welt des Rock’n’Roll.

Musikalischer Totengräber


Viele Rock-Legenden wie Joe Perry von Aerosmith, Nancy Wilson von Heart oder Rick Nielsen von Cheap Trick haben immer wieder davon erzählt, wie sehr sie die Beatles, die Stones oder eben Elvis dazu inspiriert hätten, selbst Musiker zu werden. Da nur wenigen eine persönliche Begegnung der besonderen Art (wie bei Petty und dem King) vergönnt ist, geschieht dies in der Regel durch das Fernsehen. So bringt die Ed Sullivan Show im Februar 1964 die Beatles in Millionen US-amerikanische Haushalte.

Petty vergleicht diese Erfahrung mit dem Wechsel vom Schwarzweißfilm zu Farbe. „Ein wildfremder Junge hatte mir früher am Tag schon vom Fahrrad aus zugerufen, dass die Beatles heute Abend in der Glotze seien. Die Band im Radio zu hören, war schon sensationell, aber sie zu sehen, war einfach nur elektrisierend.“

Ab diesem Moment will er auch unbedingt in einer Band spielen. Der ebenfalls aus Gainesville stammende Don Felder, selbst mit den Eagles erfolgreich, behauptet in seinen Memoiren, er habe Petty seinerzeit die ersten Akkorde beigebracht. Tom hingegen erinnert sich lediglich an Klavierstunden. Bei seiner ersten Band Epic spielt er Bass und erweist sich schon früh als vielseitiger Multi-Instrumentalist.

Mit 17 bricht er die Highschool ab, um sich voll und ganz der Musik zu widmen; obskure Jobs als Hilfskraft auf dem Universitäts-Campus oder als Totengräber sichern den Lebensunterhalt. Anfang der Siebziger formieren Epic sich zu Mudcrutch um; hierbei lernt Petty seinen kongenialen Gitarrenpartner Mike Campbell und Keyboarder Benmont Tench kennen, die zu treuen Wegbegleitern werden. In der örtlichen Szene steigt die Beliebtheit der Gruppe zügig, jenseits der Stadtgrenzen sieht es aber ganz anders aus.

Erst 1974 gelingt ein größerer Schritt nach vorne, als die Band einen Plattenvertrag unterschreibt und nach Los Angeles übersiedelt. Die ein Jahr darauf veröffentlichte Single „Depot Street“ wird allerdings ein Flop. Zermürbt vom jahrelangen Warten auf den großen Durchbruch, zerfallen Mudcrutch in ihre Einzelteile.

Doch die Plattenbosse haben längst erkannt, was für ein Rohdiamant ihnen da vor die Füße gefallen ist, und versuchen Tom zu einer Solokarriere zu überreden.

Ein Gedanke, der ihm zutiefst widerstrebt, auch weil er eine Band immer als eine Einheit aus Freunden betrachtet. Deswegen stampft er mit seinen alten Kumpanen Tench und Campbell, die Bassist Ron Blair und Schlagzeuger Stan Lynch mitbringen, Tom Petty and the Heartbreakers aus dem Boden.

Schon 1976 lassen sich auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum etliche der Markenzeichen finden, die Tom Petty als Musiker und Komponisten auszeichnen werden.

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Hier könnt ihr euch durchs restliche Heft blättern!

Text: Tom Küppers
Foto: Getty Images, Warner Music