Guitar-Dreams: Rickenbacker 330 & 381/12V69 – Suchtstoff für Feinschmecker

Was ist das eigentlich für ein Sound, der ein Stück der Beatles, der Byrds oder von Tom Petty so unverwechselbar macht? Es ist der Ton einer Rickenbacker-Gitarre. Zwei aktuelle Modelle stellen sich zum Test – und der Tester ist alles andere als unvoreingenommen …

Wer, so wie der Autor, mit den Beatles und The Who sozialisiert wird, kennt den charakteristischen Sound von Harrisons zwölfsaitiger Rickenbacker und von Lennons 325 und auch von Pete Townshends Modellen 1997 und 1998.

Wer dann in den ausgehenden 1970er Jahren Roger McGuinn live im Rockpalast erleben durfte, war endgültig überzeugt: Eine Rickenbacker ist anders. Die Instrumente der Traditionsfirma werden nach wie vor in Amerika hergestellt. Sie sind noch immer in der Qualität und dem Sound von damals erhältlich, was auch erklärt, dass alte Rickenbackers kaum teurer sind als ihre modernen Pendants.

Wie die meisten Rickenbacker-Gitarren sind auch unsere beiden Testmodelle – eine moderne 330 und eine 381/12V69 (ein Reissue eines Modells der 1960er Jahre) – mehr oder weniger hohl. Die Herstellung unterscheidet sich jedoch gravierend von der anderer Hersteller.

Rickenbacker nimmt einen massiven Korpus und fräst die Hohlräume einfach aus – man könnte es auch ein extremes „chambering“ nennen. Das geschieht von hinten. Ein aufgeleimter Boden verschließt den Korpus. Natürlich lässt man bei dieser Aktion einen Sustainblock stehen, der jedoch unter dem Steg bereits endet, um weiterem Hohlraum Platz zu machen. Das kann man durch die ebenfalls Rickenbacker-typische „Cat-eye“-Öffnung in der Decke sehen.

Die Budget-Abteilung


Die 330 stellt die Einsteigerklasse in Rickenbackers semisolide Welt dar. Der Korpus kommt in seiner Kantigkeit etwas rustikal daher – was aber durch die hochglänzende Lackierung in Midnight Blue sofort wieder relativiert wird. Er besitzt mit 15“ die Breite einer kleinen Jazzgitarren.

Wer eine Gitarre sucht, bei der er richtig etwas in der Hand hat – die 330 wäre das Modell der Wahl. Wer es lieber handlicher hätte, müsste zu den 620-Modellen greifen. Korpus und Hals werden komplett aus Ahorn gefertigt, nur das Griffbrett besteht aus Bubinga. Es ist, wie bei allen Rickenbackers, lackiert, was schon immer ein Alleinstellungsmerkmal war.

Als Positionsmarkierungen sind einfache Dots eingelegt; die typischen Dreiecke aus Perloid gibt es erst bei den teureren Modellen.

Übrigens ist Rickenbacker hier seiner Zeit 
voraus gewesen, denn bereits um das Jahr 1970 herum wurden die Griffbretter mit 24 Bünden bestückt – ein Traum für Shredder! Der Hals ist mit rund 42 Millimetern normal breit und liegt satt und angenehm in der Hand.

Den kompletten Test sowie unsere große Rickenbacker-Historie findet ihr in guitar 12/17 – einfach hier bestellen!

Hier könnt ihr euch durchs restliche Heft blättern!

Text: Jürgen Richter
Foto: Christopher Przybilla