Interview: Megadeth/Dave Mustaine

Happy Birthday, Dave Mustaine ! 56 Jahre hat er nun schon auf dem Rücken. Kaum zu glauben, dass er bereits vor der ersten Platte im Jahr 1985 als Mitglied von Metallica bekannt wurde. Später schrieb er selbst mit seinen umfassenden Riffs Geschichte. guitar sprach mit Dave über seine Erfolgsgeschichte.

Die Erfindung des Thrash Metal

 

Dave, du hast als Kopf von Megadeth die Stilrichtung Thrash Metal maßgeblich geprägt. Da es diese Musik vorher schlicht nicht gab, müssen deine Inspirationen aus anderen Quellen gekommen sein.

 Ich wurde als Musiker im Allgemeinen stark beeinflusst von Led Zeppelin und den Beatles. Auf mich als Gitarrist hatte die New Wave Of British Heavy Metal [Metal-Strömung Anfang der Achtziger, angeführt von Iron Maiden – Anm. d. Verf.] hingegen einen viel größeren Einfluss. Diese beiden Pole mögen für manche nach einem Gegensatz klingen, und tatsächlich sind es ja immer zwei Paar Schuhe, ob man Musik nur hört oder sie selbst spielt. In meiner Jugend stand ich zudem auf die „British Invasion“ [Rock und Pop aus Großbritannien Mitte der Sechziger – Anm. d. Verf.], also kamen viele meiner Inspirationen aus England, obwohl die Jungs dort ja wiederum alle von den Schwarzen aus dem Amerika der vierziger Jahre geprägt wurden. Vielleicht bin ich damit ja auch beeinflusst von diesem schwarzen Typen namens Robert Johnson, auf den sowieso alles zurückgeht, denn er hat ja bekanntermaßen seine Seele dem Teufel verkauft, um ein besserer Blues-Mann zu werden. Deshalb: Danke, Satan [lacht]! Nur Spaß! Wie auch immer: Ich mag die Gitarren von Diamond Head ebenso wie die von Mercyful Fate. Der Unterschied lag darin, dass Mercyful Fate immer viel mehr Riffs in ihren Songs verbraten haben. Als ich noch bei Metallica spielte, hatten wir eine Menge Diamond-Head-Songs im Set, und die Leute hielten uns für wahnsinnig toll – dabei waren das gar nicht unsere Stücke! Aber so hat sich unser Stil entwickelt. Unglücklicherweise kennen die Band nur wenige: Wenn für alle Leute, die Metallica kennen, auch Diamond Head ein Begriff wäre, dann wäre Brian [Tatler, Diamond-Head-Gitarrist] wohl ein gutes Stück reicher.

 Das Riffing von Brian Tatler findet sich bei den frühen Thrash-Bands wie Megadeth und Metallica, aber der Stil hat sich weiterentwickelt. Welche Riffs sollten ambitionierte Jung-Metaller unbedingt lernen?

 Lasst uns doch gleich mit „Tornado Of Souls“ anfangen! Ich habe mir das Spielen selbst beigebracht, also erzähle ich euch das so, wie ich es selbst sehe: „Tornado“ fängt im siebten Bund an, und diese Lage nenne ich Position 1. Beim Riff nutze ich alle vier Positionen [also vier Finger auf vier Bünden – Anm. d. Verf.] auf der E-Saite und drei Positionen auf der A- und D-Saite. Das Riff spiele ich zudem mit Hammer-ons und Pull-offs, was eine Menge Leute übersehen, weil das so schnell und subtil passiert. Zum Schluss habe ich das Motiv noch umgedreht, denn so was mag ich: Meistens spiele ich ein Riff dreimal und ändere es geringfügig beim vierten Durchgang. Oder ich variiere jedes zweite Mal. In diesem Fall endet die erste Variante auf einer hohen Note, die zweite endet tief.

Warum benutzt du Hammer-ons und Pull-offs?

Schließlich klingt es doch tighter, wenn du jede Note anschlägst. Fließt es anders mehr? Ich glaube nicht, dass es menschenmöglich ist, so ein Zeug jeden Abend anderthalb Stunden nur als Stakkato zu spielen. Dann würde der Arm explodieren! Es kommt auch auf das Riff an. Bei „In My Darkest Hour“ (aus dem Album "So far, so good ... so what?") etwa wird durchgespielt, während in „Tornado Of Souls“ auch mal gehämmert wird. „Vortex“ wiederum geht so,  „Never Walk Alone“ ebenfalls. Es wurde schon behauptet, die Riffs seien sich sehr ähnlich, aber das sehe ich überhaupt nicht.

Welche Eigenarten muss ein Thrash-Metaller außerdem berücksichtigen, um Megadeth-Riffs zu verstehen?

 Ich spiele viele Slides mit Akkorden wie etwa beim Ende von „Hangar 18“. Und bei diesem Riff hier benutze ich meinen Zeigefinger quasi wie einen Kapodaster, was ein paar nette Sounds ergibt. Das Gleiche passiert übrigens im Solo von „Holy Wars“, aber das bekommt man nur mit, wenn man mir genau auf die Finger schaut oder wirklich sehr genau zuhört. Ich meine folgende Stelle, bei der ich mich immer einen Bund höher bewege. Was die Leute nicht hören, ist diese eine Note, die als Voicing im Hintergrund mitklingt. Wir haben also einen Ton und eine Spanne über sechs Bünde – so ergeben sich Akkorde. 

Text: Christof Leim

Das gesamte Interview erschien in der guitar 5/2008. Hier könnt ihr diese Ausgabe inklusive dem ausführlichen Workshop mit Soundbeispielen und Noten zum Mitspielen kaufen.

 

Hier könnt ihr euch Dave bei der Arbeit auf der  Bühne anschauen: