Interview: Zakk Wylde

Vor 20 Jahren erschien das Debütalbum von Black Label Society. Das haben wir in der guitar 06/2019 zum Anlass genommen, um uns mit dem Ozzy-Gitarristen zu unterhalten.

Vor 20 Jahren trat Ozzy-Gitarrist Zakk Wylde eine Dampfwalze namens Black Label Society los, die mittlerweile zu seiner Hauptband geworden ist: Hier singt er selbst und schmettert rüde Riffs mit Dreck unter den Nägeln und ohne jedweden Schnickschnack aus den Boxen. Zum Jahrestag erscheint das Debüt Sonic Brew als Re-Blend mit Bonustracks. Für guitar blickt der Meister zurück.

Zakk, wie sah dein musikalisches Leben Ende der Neunziger aus, als es mit Black Label Society losging?

Mit Ozzy habe ich 1995 Ozzmosis aufgenommen, das war großartig. Während der Zeit bin ich abends immer in die Kneipe um die Ecke vom Hotel gegangen und habe mir da Neil Young, Bob Seger, The Band und die Stones angehört, ruhige Sachen also. Danach habe ich dann mit der Akustischen in meinem Zimmer gesessen und solche Songs geschrieben. Dabei ist Book Of Shadows entstanden. Gleichzeitig habe ich eine Weile mit Guns N’ Roses gespielt. Als das Ozzy-Album im Kasten war, wollte der wissen, ob ich nun mit den Jungs weitermache oder nicht. Ich habe aber nie eine richtige Ansage von der Band bekommen. Der Boss (also Ozzy – Anm. d. A.) musste aber die Tour planen, also hat er Joe Holmes engagiert. Book Of Shadows kam dann 1996 raus, aber damals wollte ich nicht nur ein Singer-Songwriter sein. Das wäre irgendwann langweilig geworden; ich hatte noch mehr vor. Riffs gab es reichlich, also bin ich mit dem Schlagzeuger Phil Ondich nach Miami ins Studio, um diese Sachen einfach mal aufzunehmen. Damit wurden Black Label Society geboren.

Davor hattest du ein stark Southern-Rock-beeinflusstes Trio namens Pride & Glory. Warum lief das nicht einfach weiter?

Uns ist die Kohle fürs Bier ausgegangen! Da mussten wir wohl aufhören (lacht). Ich könnte die Band jederzeit wiederbeleben, was ja für alle meine Projekte gilt, also Zakk Sabbath, Generation X, Experience Hendrix und so weiter. Aber damals habe ich die Heavy-Songs geschrieben, und sowas wollte ich dann auch spielen.

Welche Songs von Sonic Brew liegen dir heute noch am Herzen?

Auf jeden Fall „Spoke In The Wheel“. Das war der erste Song, den ich für Black Label komponiert habe. Aber ich liebe alle Songs, die ich gemacht habe. Man erinnert sich bei sämtlichen Alben daran, was da gerade im Leben abging und wo man stand.

Was unterscheidet die Neuauflage Sonic Brew: 20th Anniversary Blend 5.99 - 5.19 vom Original?

Von allen meinen eigenen Platten, die ich jemals gemacht habe, besitze ich die Masterbänder – außer von Sonic Brew. Deshalb konnten wir das Ding auch nicht neu abmischen, was ansonsten sicher passiert wäre. Zum Beispiel würden die Drums heute ein bisschen mehr Liebe abbekommen. Stattdessen haben wir folgendes gemacht: Mein Drummer Jeff Fabb hat alles, was Phil damals gespielt hat, Note für Note nachgetrommelt. Das Gleiche hat JD Servio mit meinen Bass-Spuren von damals gemacht. Das haben wir alles der Scheibe hinzugefügt, so konnten wir an den Instrumenten etwas drehen. Beim Gesang ging das nicht so einfach, und ich wollte auch nichts an der grundsätzlichen Performance ändern. Led Zeppelin würden ja auch nicht ihre Zweite neu einspielen. So haben wir aber ein paar Sachen am Klang ändern und ihn fetter machen können.

Wirst du die anderen Black-Label-Society-Alben ebenfalls neu auflegen?

Klar, warum nicht? Da haben wir auch die Masterbänder, und es kommen jede Menge Jubiläen.

Stimmt es, dass die Band anfangs Hell’s Kitchen hieß?

Ja, das war war der ursprüngliche Name – und als Alternative lag noch „Pfadfindermädchen auf Steroiden“ auf dem Tisch. Einfach, weil das so gut zu uns gepasst hätte. (lacht) Aber das hätte womöglich Ärger gegeben, und Hell’s Kitchen fand ich letztlich zu schwach, also habe ich mich für Black Label Society entschieden.

 

 

 

Du hast auf Sonic Brew alle Instrumente bis auf die Drums selbst übernommen. Was ist aus Phil Ondich geworden?

Er hat noch 2000 auf Stronger Than Death gespielt, dann aber gesundheitliche Probleme bekommen.

Worüber hast du damals gespielt: Ein Haufen Les Pauls über einen Haufen Marshalls?

Exakt.

Wie hat sich dein eigenes Spiel seit damals verändert?

Denkt mal an unsere Lieblingsgitarristen: John McLaughlin, Al Di Meola, Frank Marino von Mahogany Rush oder Robin Trower. Technisch gesehen pflegt man sein Fähigkeiten, aber wie viel schneller soll Al Di Meola denn noch spielen? Mehr Technik ist wie mehr Stifte zu haben, wenn man ein Bild malt. Dann geht es nur noch darum, was man erschafft. Ob das in der Musik Instrumentals sind oder Lieder mit Gesang, ob von den Stones oder Mahavishnu Orchestra: Wir hören das Zeug doch wegen der Songs!

Hast du denn heute neue „Malstifte“?

Ja, ich übe immer noch und arbeite an meinen Licks. Aber wenn man etwas schreibt, das bewegt – das will man dann doch spielen. Und sowas hört man! Man kann allerdings immer noch etwas Neues lernen. Ich beschäftige mich gerade viel mit Pat Martino (Jazz-Fusion-Gitarrist - Anm. d. A.), die neue Robin-Trower-Scheibe finde ich auch super.

Seit damals standen eine ganze Reihe von Leuten bei Black-Label-Society-Shows mit dir auf der Bühne. Wie unterscheiden sich Stimmung und Selbstverständnis der Band damals und heute?

Für mich ist das mehr als eine Band, es ist eine Bruderschaft. Jeder von uns kann bei Black Label mitmischen und trotzdem eigene Sachen machen. Jeder hat hier eine musikalische Heimat, ich bin noch mit allen befreundet, die jemals dabei waren. Es gab bei uns nie Streitereien wegen sowas, dafür haben wir keine Zeit. Wenn eine Tour ansteht, muss sich jeder überlegen, ob er das durchzieht oder nicht. Wer nicht will, bleibt zu Hause.

1999 genoß die kompetente Rockgitarre nicht unbedingt den besten Ruf. Es gab nur wenige Gitarristen, die vom tiefen E zum hohen E gelangen konnten, ohne sich dabei zu verletzen. Hat es dir das erschwert, die Band zu etablieren?

Nein. Irgendwas geht doch immer. Es ist doch eigentlich egal, wie gerade das musikalische Klima aussieht und was angesagt ist: Man bleibt sich einfach treu und marschiert voran. Auch nach den Zeiten von Grunge sollen Alice in Chains ja weiter die Musik spielen, die Alice in Chains eben spielen. Oder nimm AC/DC: Die machen einfach weiterhin die besten AC/DC-Alben, die es gibt. Fertig. Was andere tun, ganz ehrlich, das muss einen nicht kümmern.

Text: Christof Leim

Fotos: Stuart McKay, Justin Reich

In der guitar 06/2019 findet ihr neben diesem Interview noch weitere spannende Themen. Holt euch die Ausgabe hier im PPV-Shop!