Jackson-Signatures – Technik-Special

Sechs Gitarren, die vor allem für harte Musik gebaut wurden – und dennoch einiges mehr können. Wer’s eilig hat, findet hier die Highlights der Jackson-Signatures.

Natürlich müssen Signature-Gitarren weitgehend so klingen wie die Instrumente der Künstler, dessen Namen sie tragen. Die bezahlbaren Jacksons machen das ohne Frage alle gut, wenn man den passenden Rest der Signalkette mitbringt.

Unter den drei V-Modellen stechen jene von Corey Beaulieu und von Scott Ian heraus. Die eine ist eine moderne Allzweckwaffe, die auch bei weniger lauten Sounds überrascht – so viel Gitarre gibt es anderswo kaum für so wenig Geld.

Die Axt des Anthrax-Chefs ist für eine V-Form sehr leicht, kommt mit Hardrock prima klar und hat eine zweite Identität im Funk. Die Demmelition King dagegen sieht nach Metal aus und kann das auch am besten.

Einen klassischen Look mit mehr Komfort bietet die Marty Friedman; sie hat zudem 
einen individuellen Klang. Die Gus G. fällt nicht nur durch ihr Shaping auf, sondern bietet ebenso einen eigenen, harten Sound, aber am Hals auch wunderbare Wärme.

Scotts leichtes Mittenmonster

Anthrax sind vor allem Scott Ian. Der bärtige Anthrax-Riffer weiß genau, was er will, und so ist auch sein Instrument konzipiert: schnörkellos und auffe Fresse –ähnlich ihrem Hauptbetätigungsfeld.

Scott Ian ist nicht unbedingt ein Riese 
in körperlicher Hinsicht, und da verwundert es nur bedingt, dass er Wert auf eine leichte Gitarre gelegt haben könnte: die Waage ausgepackt und verwundert festgestellt, dass die Dame gerade mal gute drei Kilogramm schwer ist. Da sich auch der Metaller nicht unbedingt mit 30 Lenzen einen Bandscheibenvorfall abholen wollen dürfte, beschweren wir uns nicht, denn materialtechnisch reagiert Bewährtes: ein Korpus aus Mahagoni, dazu ein kräftiger Hals aus Ahorn, der auf die kurze Gibson-typische Mensur von 24,75 Zoll oder 62,8 Zentimetern setzt.

Unten schüchtern, oben frech

Allerdings sind die beiden Flügel im Vergleich zum Vorbild Flying V deutlich schmaler, obendrein sind sie an den Kanten abgeschrägt – auch das spart Gewicht. Noch zierlicher als am Gitarristen wirkt die KVXT auf Bildern, bedingt auch durch die Lackierung in Creme und das schneeweiße Schlagbrett. Unterhalb der Taille also pures Understatement, oben durch die fetten Block-Inlays und die spitze Kopfplatte dann doch der Look der 1980er Jahre, als Anthrax sich ihren Platz in den Big 4 des Thrash erspielten. Und das, obwohl die Band nicht mal aus der Bay Area, sondern aus New York stammt.

Ein Zuhause für V-Player

Ians Gitarre ist bequem; einzig der sehr nah an der Bridge positionierte Volume-Poti verlangt in meinem Fall etwas Eingewöhnung. Es ist eine clevere Lösung, direkt dahinter den Pickup-Wahlschalter zu platzieren, den Tonregler braucht man bei Thrash sowieso eher selten.

Der Hals von Scotts Signature fühlt sich nicht so voluminös wie manches Vorbildexemplar aus den ’70er und ’80er Jahren an: Man hat zwar genug in der Hand, flitzt aber dennoch fix durch alle Lagen. Die Erreichbarkeit der hohen Bünde ist bei diesem Design ohnehin kaum zu toppen.

Hängen hinter dem Kabel dann ein Overdrive und ein anständiger Brite, stehen alle Reger auf 11 (mindestens) und der Toggle-Switch auf Steg-Pickup, macht man dazu Wechselschläge auf den Basssaiten, dann ist man sofort im State of Euphoria (Anthrax-Album von 1988): mächtige Mitten, präzise Ansprache und dank Tune-o-matic keine Verstimmungen.

Den kompletten Test sowie fünf weitere Jackson-Signatures findet ihr in guitar 11/17 – direkt hier bestellen!
Hier könnt ihr euch durch die Ausgabe blättern!

 

Text: Nico Ernst

Jackson guitar Scott Ian King V KVXT

Scott Ian King V KVXT