Josh Weaver/Royal Thunder – Kolumne

Josh Weaver von Royal Thunder erklärt in seiner neuen Kolumne seine Faszination für Equipment und spricht von der Suche nach dem eigenen Ton, auf der wohl jeder Gitarrist ist oder schon einmal war.

Ich habe mich etwa ab 2000 für Pedale zu interessieren begonnen. Zuvor war ich mit diversen Heavy- und Extrembands unterwegs und hatte nie etwas anderes gespielt als eine Les Paul pur über einen Marshall JCM 800.

Obwohl ich nach wie vor davon überzeugt bin, dass diese Kombination den denkbar besten Rock- oder Heavy-Ton erzeugt, war ich es müde geworden, genrespezifische Musik zu spielen. Als Reaktion auf das Gefühl, musikalisch zu stagnieren, habe ich mein 2210 JCM 800 Halfstack und meine 1979er Gibson Les Paul Kalamazoo verkauft.

Steckt dir das Musikmachen einmal im Blut, lässt sich das nie mehr ignorieren. Ich konnte es einfach nicht lassen, Musik zu kreieren und Songs zu schreiben. Drei Monate nachdem ich mein Monster-Rig aus Les Paul und JCM 800 vertickt hatte, juckte es mich in den Fingern, und ich legte mir ein für meine Verhältnisse höchst unwahrscheinliches Rig zu: eine Fender Highway One Telecaster und einen 1968er Fender Twin Reverb mit „drip edge“. Das war alles. Keine Pedale, aber laut wie die Hölle und clean! Der Startschuss für Royal Thunder.

Es war eine aufregende Zeit. Damals habe ich mich auf die Suche nach meinem Ton begeben. Ich weiß nicht, ob ihr je erlebt habt, wie es ist, eine Tele in einen Vintage Twin zu stöpseln, dessen Grandezza ohne jede Kompression auskommt. Für mich definierte das Heaviness ganz neu – und es brachte mich dahin, ein besserer Spieler zu werden, weil ich mich nicht länger hinter Mauern aus Verzerrung verstecken konnte.

Von dort aus tastete ich mich in eine Welt hinein, die zur vollständigen Besessenheit führen sollte: Gitarrenpedale. Ich hatte sie zwar zuvor nie genutzt, dachte aber, sie könnten auf meinem Weg mit unterschiedlichen Sounds behilflich sein, wenn ich schon ein komplett anderes Rig fahre. Das Spiel durch andersartige Komponenten brachte mir neuartige Songideen und wurde schnell erst zum Rausch und dann zur Sucht. Die ersten Pedale, mit denen ich mich beschäftigte, waren Dirt Pedals: ein Ibanez TS-9 aus Restbeständen, ein Boss SD-1 und ein ProCo Rat.

Noch mal betont: Es war kurz nach der Jahrtausendwende. Ich ließ nichts links liegen, fummelte unentwegt an meinem Gear herum, war ständig auf der Suche und stieß dabei auf Robert Keeley, der Pedale mit verbesserten Klangeigenschaften versah. Also schickte ich ihm mein Rat-Pedal und meine TS-9 und war schwer davon beeindruckt, was derlei Modifikationen ausmachen können.

Dies öffnete mir die Schatzkammer der Pedale der frühen 2000er mit allerlei Käufen und Verkäufen. Aus ihnen heraus ragten Hersteller und Pedale wie das Barber Electronics Burn Unit, das Buriss Boostier, das Hermida Mosferatu, der Lee Jackson Gain/Booster und der Landgraff Dynamic Overdrive.

Auf meinem Weg habe ich bis heute Aberhunderte von Pedalen ausprobiert, begann eigene Amps zu bauen oder zu modifizieren und habe mich um jede einzelne Komponente bemüht, die dem Sound ein noch gewisseres Etwas zu verpassen vermag. Oh, und die lauten und cleanen Töne aus einem Marshall-Plexi-Schaltkreis stehen für mich nach wie vor ganz oben. Mein Pedalboard wächst ständig, und ich lasse nicht locker.

Ich könnte mich jetzt noch lang und breit über meine Liebe zu Fuzz- und Modulations-Pedalen auslassen, aber das verschieben wir auf ein anderes Mal. Ich hocke gerade in Jackson, Mississippi, und mache mir ein Bier auf, während ich diese Buchstaben in die Tastatur hacke und im Sonnenuntergang auf die Show von heute Abend warte: wieder mal die Gelegenheit, auf der Bühne zu stehen und durch das Gear zu spielen, das ich liebe.

Egal ob du lieber über ein 2.400 Dollar teures Klon Centaur oder ein 62 Dollar günstiges EHX Soul Food spielst, oder was immer dir ganz persönlich am nächsten liegt: Es macht seinen Job nicht, wenn es dich nicht inspiriert. Also rein mit dem Kabel und an ein paar Knöpfen gedreht. Die Suche nach dem Ton hört niemals auf …

Text: Josh Weaver
Übersetzung: Matthias Breusch

Josh Weaver/Royal Thunder

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