Schecter Synyster Custom S – Synyster mag Sustain

Die in Südkorea gefertigte Synyster Custom S von Schecter besteht größtenteils aus Mahagoni – Hals und Korpus wurden aus diesem Material gefertigt. Der Hals wurde mit Kohle-faserstäben verstärkt und ist mit einem hübschen Ebenholzgriffbrett versehen, in das 24 extragroße Eisenbahnsch... – pardon, Bünde eingelassen wurden.

Die in Südkorea gefertigte Synyster Custom S von Schecter besteht größtenteils aus Mahagoni – Hals und Korpus wurden aus diesem Material gefertigt. Der Hals wurde mit Kohle-faserstäben verstärkt und ist mit einem hübschen Ebenholzgriffbrett versehen, in das 24 extragroße Eisenbahnsch... – pardon, Bünde eingelassen wurden.


Freie Fahrt für flinke Finger à la Synyster Gates


Diese begünstigen, zusammen mit dem schlanken Hals, sicherlich die rasante Spielweise, wie Mr. Gates sie so gerne abfeiert. Wer gerne Melodien oder flinke Licks in den ganz hohen Lagen spielt, wird sich über den ultrakomfortablen Zugang zu den hohen Bünden freuen, denn der Übergang vom geleimten Hals zum Korpus ist ergonomisch geformt, sodass der Hand keine Hindernisse in den Weg gestellt werden. Als Bridge kommt ein schwebend montiertes Floyd Rose 1500 zum Einsatz, das im Test sowohl brutale Whammy-Tricks als auch Upbendings bis hin zum C auf der G-Saite erlaubte. Der Hebel wird einfach gesteckt und sitzt nebengeräuschfrei und sicher.

Je nach Gusto kann die Gängigkeit über eine Madenschraube justiert werden. Als Steg-Humbucker hat Synyster Gates von Avanged Sevenfold einen Invader von Seymour Duncan gewählt, netterweise mit goldenen Polepieces, die einen schönen Kontrast zum schwarzen Pickup bilden. Der Invader zählt zu den brachialsten Pickups, die Mr. Duncan entwickelt hat, und kombiniert drei große Keramikmagneten und jede Menge Extrawicklungen für superfette Klangergebnisse.

Am Hals befindet sich der Sustainiac-Pickup, dessen Stromversorgung über eine 9V-Batterie in einem separaten Fach auf der Rückseite erfolgt. Der Deckel ist mit einem Schnappverschluss verschlossen, so dass der Batteriewechsel blitzschnell und ohne Werkzeug machbar ist.

Der Sustainiac-Pickup beruht auf dem Prinzip, das auch beim Fernandes Sustainer und dem legendären E-Bow zum Einsatz kommt: Es wird ein Magnetfeld erzeugt, das die Saiten zum Schwingen bringt. So kann man Einzeltöne und Akkorde theoretisch endlos lange schwingen lassen – zumindest so lange die Batterie hält. Der Effekt ist faszinierend, denn man spürt deutlich, wie die Saiten in Schwingung versetzt werden. Schaltet man den Sustainiac über den oberen der beiden Minischalter ein, etwa bei einem bereits fast verklungenen Ton, dann ist es beeindruckend zu hören, wie dieser wieder deutlich an Lautstärke zulegt und danach wie die sprichwörtliche Eins steht und steht und steht und ... Ist der Sustainiac-Modus deaktiviert, arbeitet der Hals-Pickup wie ein normaler magnetischer Abnehmer und passt klanglich sehr gut zum Kollegen am Steg – kräftig, selbstbewusst und mit schöner, sahnig-warmer Note. Das Erzeugen des Magnetfelds frisst natürlich Strom, jedoch war beim ausgiebigen Praxistest kein Batteriewechsel nötig. Vergisst man, nach dem Spielen den Effekt auszuschalten, ist das kein Problem, sofern man den Stecker aus der Ausgangsbuchse der Gitarre zieht; auch so wird der Sustainiac deaktiviert.

 

Obertöne frei Haus


Noch interessanter ist der andere Minischalter mit seinen drei Positionen. Position 1 (Richtung Ausgangsbuchse) ist der normale Sustainiac-Modus, bei dem jede Note und jeder Akkord endlos stehenbleiben. In Position 3 befindet sich der Harmonic-Mode, mit dem man jede Note kontrolliert in einen hohen Oberton umkippen lassen kann.

So kippt die leere E1-Saite etwa in ein hohes B um. Die Geschwindigkeit, in der das passiert, hängt von der Anschlagsstärke ab: Wird der Ton hart gepickt, dauert es ein wenig, bis der Oberton entsteht. Hämmert, tappt oder spielt man die Note anderweitig legato, ist der Effekt unmittelbar. Unheimlich wird es, wenn man diesen Effekt vor einem clean eingestellten Amp einsetzt, denn natürlich funktioniert der Sustainiac auch hier und verwandelt Akkorde und Singlenotes in etwas, dass teils an einen Synth-Pad-Sound erinnert.

So kann man von Jimi Hendrix über Robert Fripp bis zu Satch und Vai alle möglichen Feedback- und Sustain-Tricks kreieren, und zwar unabhängig von der Lautstärke und der Position auf der Bühne. Auch Joe Satriani selbst benutzt einen solchen Pickup beispielsweise live bei „Cryin’“, um kontrolliert Feedback zu erzeugen. Und natürlich kann man Stücke wie Steve Vais Killerballade „Whispering a Prayer“ hiermit nachspielen. Beim Original hat Steve Vai ebenfalls einen Pickup mit dieser Funktionsweise verwendet. Es braucht etwas Zeit, um sich an die Funktionen und die Arbeitsweise zu gewöhnen und alle Möglichkeiten herauszufinden, ob nun subtil oder sehr deutlich.

 

Das bleibt hängen


Die Zielsetzung beim Design der Gitarre waren aber wohl weniger Knopfler-Sounds, sondern Brett und Feuer, und beides liefert die Synyster Custom-S mit Bravour. Das Floyd Rose arbeitet verstimmungsfrei und höchst komfortabel, so dass man fette Riffs mit krassen Whammy-Einwürfen verzieren oder die Endlosnoten (Sustainiac sei Dank) über den Hebel zielgenau modulieren kann. Vom „Attitude Song“ bis zu Dimebag-Tricks ist also alles verstimmungsfrei möglich. Synyster Gates hat in Kooperation mit Schecter eine großartige Rock- und Metal-Gitarre entworfen, die unverblümt und feurig zu Werke geht und sich sehr komfortabel bespielen lässt.

Den kompletten, ausführlichen Test-Bericht findet ihr in der guitar 3/2017. Am Kiosk verpasst? Kein Problem, hier könnt ihr euch die Ausgabe nachbestellen und bequem nach Hause liefern lassen.


Text: Marc Rolf