Top 10: guitar-Alben des Monats - Juli 2017

An dieser Stelle möchten wir euch einige Alben der aktuellen Ausgabe empfehlen, die uns besonders ins Ohr gestochen sind. Dieses mal das Beste aus Gitarren-Rock, -Pop, -Souls und -Sonstigem, unter anderem mit Richie Kotzen und den brandheißen Newcomern Übergas.

Richie Kotzen
Salting Earth

(CD Baby)

Richie Kotzen nahm eine Auszeit von seinen Winery Dogs und widmete sich seinem 21. Soloalbum. Herausgekommen ist eine hervorragend produzierte Rock-Soul-Melange mit tonnenweise Gitarrenglanzmomenten. Der fingerstylende Virtuose mit der großen Soul-Stimme verknüpft auf Salting Earth flotte Sololäufe und verzerrt groovende Rockriffs mit hymnenartigen Refrains und wunderschön versöhnlichen, cleanen Pickings.

Obwohl die Grundstimmung flotter und mehr upbeat gerät als die seiner letzten Solowerke, lassen der hochemotionale Gesang und clevere Arrangements die zehn Tracks nie zu belanglosem Sommergedudel verkommen. Überhaupt setzt Richie trotz massig meisterhafter Soli mehr noch als bei den Winery Dogs auf ein starkes Akkordgrundgerüst und eingängige Melodien. Was kann der Mann eigentlich nicht?!

Alexander Pozniak, 5 von 5 guitar-Gs

Übergas
Heiss

(laute helden/SPV)

Für den musikalischen Riff-Kickdown des Monats sorgen definitiv Übergas aus Münster. Pfeilschnelle Riffs wie beim Titelsong „Heiss“ geben sich hier die Klinke in die Hand mit gesellschaftskritischen Hymnen wie „Scheinwelt“ und „Panikfrei“. Gitarrist Maik Ter Stal feuert mit beängs-tigender Präzision seine Riffs und Leads durch die Boxen („Dickes Wasser und dünnes Blut“), während Drummer Georg Lenhardt (u. a. Die Apokalyptischen Reiter) und Tiefsaiter Krispin Kirchhoff für ordentliches Bass- und Drum-Pfund sorgen.

Inhaltlich kriegen alle Facebook-Selbstdarsteller, D-Promis und Knalltüten von Krispin ordentlich ihr Fett weg. Der hat lieber das Herz auf der Zunge und genügend Wutbenzin im Tank, um hier durch die Bank Kniegas zu geben. Knackig gemixt und co-produziert wurde das Album übrigens von Ex-H-Blockx-Basser Gudze Hinz.

Marcel Thenée, 5 von 5 guitar-Gs

Chris Stapleton
From a Room Volume 1

(mercury records)

Auch auf Album Nummer zwei tritt die Country-Sensation Chris Stapleton erneut den Beweis an, dass am Ende des Tages ein guter Song ein guter Songs ist. Dabei ist sein Songwriting (ähnlich wie die zeitlos-analoge Produktion von Dave Cobb) erneut so schnörkellos wie genial. Stapleton schreibt Songs, die gleichermaßen Kleinode alter Country-Schule („Either Way“) wie brillante Hybride aus Soul und Blues sind („I Was Wrong“, „Death Row“). Großes Kino.

Marcel Thenée, 5 von 5 guitar-Gs

Kraftklub
Keine Nacht für Niemand

(Vertigo Berlin/Universal)

Wie der Titel schon andeutet, zitieren die Chemnitzer Jungs Größen wie Die Ärzte oder Element of Crime – und zwar ausgesprochen provokativ. Überraschend dominant treten beim dritten Werk auch Synthesizer und Effekte auf. Gleichzeitig bestechen die Gitarren in einigen Songs mit einer für die Band ungewöhnlichen Portion Rock’n’Roll. Dass sich beides nicht ausschließt, zeigt sich beeindruckend beim Song „Liebe zu dritt“. Insgesamt ist es eine abwechslungsreiche Mischung, die sich von den Vorgängeralben abhebt.

Natalie Meyer, 4 von 5 guitar-Gs

Roger Waters
Is This The Life We Really Want?

(Smi Col/Sony)

Geschlagene 25 Jahre ist es her, seit Roger Waters mit Amused to Death sein letztes Rockalbum vorgestellt hat. Damals stand die Macht des Fernsehens im Zentrum seiner Kritik, auf seinem neuen Werk spart der 73-Jährige nicht mit harschen Worten zur Weltpolitik: „Picture a shithouse with no fucking drains, picture a leader with no fucking brains“ heißt es etwa in „Picture That“. Musikalisch wandert Waters dabei auf klassischen Pink-Floyd-Pfaden. Leider ohne David Gilmour.

Chris Hauke, 4 von 5 guitar-Gs

Chuck Berry
Chuck

(Decca/Universal)

Fast 40 Jahre gab es keine neuen Lieder von Chuck Berry zu hören, doch ein letztes Album wollte der Ur-Gitarrenheld der Nachwelt noch hinterlassen – auch wenn er die Veröffentlichung leider nicht mehr miterleben kann. Auf der „Johnny B. Goode“-Reminiszenz „Lady B. Goode“ spielen Sohn Charles Berry Jr. und Enkel Charles Berry III Gitarre, mit Tochter Ingrid singt er die Country-Ballade „Darlin’“. Dass er nicht nur Rock’n’Roll konnte, zeigen das karibisch-angehauchte „Jamaica Moon“ und das erzählende „Dutchman“.

Chris Hauke, 4 von 5 guitar-Gs

Dragonforce
Reaching for Infinity

(Earmusic/Edel)

Schnell, schneller – Dragonforce. Hektischeren Powermetal spielt niemand, und auch auf Album sieben bleibt das so. Herrman Li und Sam Totman liefern sich technisch beeindruckende Lead-Duelle, viele Songs wie das epische „The Edge of the World“ bekommen jedoch zum Glück mehr Luft als früher. „War!“ könnte ohne den pappsüßen Refrain als toller Thrasher durchgehen, und „Evil Dead“ ist ein würdiges Cover des Death-Klassikers. Kurz: Dragonforce können auch Abwechslung. Feine Scheibe, nur bitte nicht beim Autofahren hören – es besteht Bleifußgefahr.

Nico Ernst, 4,5von 5 guitar-Gs

Rex Brown
Smoke on This ...

(Steamhammer/SPV)

Mit einer großen Überraschung wartet Rex Brown im Sommer 2017 auf. Der ehemalige Pantera- und Down-Bassist ist auf Smoke On This ... nämlich nicht nur am viersaitigen Tieftöner, sondern auch an der Rhythmusgitarre und am Mikrofon vertreten. Wer jetzt allerdings auf harten Metal oder doomigen Southern-Rock hofft, ist auf dem Holzweg, denn Rex lebt auf diesem Debüt seine Liebe zum Classic-Rock in vollen Zügen aus. Ein extrem cooler und mutiger Alleingang, dem auch die Hartwurstfraktion Gehör schenken sollte.

Chris Franzkowiak, 4 von 5 guitar-Gs

Danzig
Black Laden Crown

(AFM Records/Soulfood)

Sieben Jahre nach Deth Red Sabaoth lädt „Mr. Evil“ Glenn Danzig seine Gefolgschaft auf eine düstere Reise ein. Dabei geht Danzig so derart erdig zu Werke, dass man in vielen Momenten von Black Laden Crown meint, man stehe im Studio neben dem Meister höchstpersönlich. Tommy Victor rifft und soliert in gewohnter Manier und passt sich seinem legendären Arbeitgeber in jedem Moment perfekt und songdienlich an. Danzigs gereifte Stimme ist auf der gesamten Scheibe und ohne Produktionsschnickschnack super in Szene gesetzt!

Chris Franzkowiak, 4,5von 5 guitar-Gs

Lindsey Buckingham Christine McVie
s/t

(East/West/Warner)

Das Debüt von Lindsey Buckingham & Christine McVie ist gewissermaßen der Nachfolger des 2003er Fleetwood-Mac-Werks Say You Will. Damals fehlte McVie bei den Macs. Die vorliegende Scheibe ist nun zu 4/5 Fleetwood Mac, denn Mick Fleetwood und John McVie bilden die superbe Rhythmusfraktion, während Stevie Nicks nun fehlt. Neben den durchgängig hochklassig komponierten Songs liefert Lindsey Buckingham an seinen Sechssaitern eine herausragende Performance!

Chris Franzkowiak, 4,5 von 5 guitar-Gs

guitar-Alben des Monats 7/17