Test: ESP E II RZK II Burnt

Die neue Rammstein-Kniffte von Richard Z. Kruspe bietet alles, was das Gitarristenherz verlangt: Knallharte Bestückung und einen feurigen Look … 

Rammsteins Richard Z. Kruspe ist bekannt für schräge Designwünsche. Das zeigen etwa seine Mosrite-beeinflusste RZK-I und vor allem seine Vorliebe für das Burnt-Finish. Dieses gibt’s nun erstmals in einer E-II-Version.

Das Burnt-Finish ist Geschmackssache und somit definitiv ein Feature dieses Instruments, an dem sich die Geister scheiden werden. Auf der anderen Seite ist die E-II EZK-II Burnt ein waschechtes Signature-Instrument; es lohnt also kaum, über Äußerlichkeiten zu debattieren. Sie entspricht Kruspes Vorstellungen, und entweder teilt man diese Vorliebe, oder man greift vielleicht gleich zu einer anderen Eclipse aus dem wahrhaft vielfältigen Angebot bei ESP, E-II und LTD.

Kruspes erste Signature im Brand-Look war das Ergebnis einer Kooperation zwischen dem Custom-Shop von ESP Guitars und der deutschen Gitarrenschmiede Sandberg. Diesen Look auch in einer preisgünstigeren Version herzustellen, scheint nun gelungen zu sein, denn auch hier ist nichts per Folie oder Lack erledigt – die Lady hat echte Brandblasen, und an manchen Stellen brechen diese beinahe auf, und die oberste Schicht des Finishs löst sich.

Um den Grusel-Look perfekt zu machen, wurden ihr blutend rote Kratzer, Striemen und Narben verpasst. Optisch nicht jedermanns Sache, und vielleicht auch nicht unbedingt was für den abendlichen Kanapee-Blues, wenn’s aber richtig knallen soll, gerne auch optisch, dann kann hier die volle Punktzahl vergeben werden.

Kompromisslos


Ähnlich kompromisslos verhält es sich mit der Ausstattung des Instruments. Hier wurde ein in allen Belangen moderner, kompromissloser Metal-Ast gebaut, der weder Schnickschnack noch unnötige Features an Bord hat; hier gab es nur ein Ziel: Ballern muss es. Und böse aussehen sowieso.  

Der Orientierung im dichten Flammenmeer und Bühnennebel dienlich dürften die Rammstein-Kreuz-Inlays im 24-Bund-Griffbrett sein. Gefertigt wurde dieses aus Palisander; der Hals besteht aus Ahorn, er ist dreiteilig und durchgehend.

Der Korpus besteht bei dieser Konstruktion also lediglich aus den beiden Seitenflügeln, die an den Hals angeleimt werden. Im Allgemeinen sagt man einer solchen Konstruktion eine Menge Sustain nach; die RZK-II kann in dieser Disziplin definitiv auch punkten. Ich würde das aber eher der Qualität der Komponenten und der Gesamtkonstruktion gutschreiben als lediglich einem singulären Umstand wie einem durchgehenden Hals. Wenn man anders denkt, dann müsste dem Mythos zufolge das freischwebend montierte Floyd Rose das Sustain wieder killen … Ja, was denn nun? Eben.


Am anderen Ende der Saiten laufen sie über einen Klemmsattel in gekapselte Tuner aus dem Gotoh-Stall. Passend zur restlichen Hardware in Chrom hat Richard seinen EMG-81-Humbuckern eine gebürstete Chromoptik verpassen lassen. Kontrolliert und verwaltet werden die beiden Krawallbrüder über einen Dreiweg-Toggle und ein einsames Volumenpoti. Mehr braucht’s für Richard nicht. Auf zeitgemäße Features wie eine Push/Pull-Funktion hat man ebenfalls verzichtet, und wer sich ein wenig mit der Musik auseinandergesetzt hat, die Rammstein/Richard so spielen, der versteht auch, warum. Hier sind kein crispen Singlecoil-Klänge gefragt, sondern knallhartes Riffing.

 Eisenharte EMGs

Die 81er genießen einen guten Ruf in Gain-geschwängerten Musik-Genres – und das zu Recht. Ihre Nebengeräuscharmut ist bei hohen Verzerrungspegeln ein wahrer Segen, ihre Wiedergabe stets präzise, und auch die Stromversorgung mittels eines handelsüblichen 9-Volt-Blocks eine Sache, an die man sich inzwischen gewöhnt haben dürfte. 

Hat man die Burnt dann an der Leine, sprich am Amp, dann versteht man beim ersten Riff, warum der Richard das so wollte. Die Burnt ist ein astreiner Metal-Tiger, da is’ nix mit Blues und Rock und so. Gehen würde das natürlich, aber ihre Paradedisziplin sind harte Riffs und singende Leads. Die präzise und straffe Wiedergabe der 81er sorgt am Steg für beinharte Riff-Gewitter, der Halskollege kommt nicht in die Gelegenheit zu mumpfen. Auch er fräst sich todesverachtend durch die dicksten Doublebass-Wände und liefert messerscharfe, vor Fett triefende Leadsounds. 

Tappings oder Sweeps profitieren von dieser Fülle, fällt es einem doch beinahe schwer, hier keine Klangfülle zu erzeugen. Getoppt wird das aber letzten Endes vom Steg-Pickup, der in allen Facetten einen perfekten Metal-Sound abliefert: messerscharf, akkurat, mit ordentlich Wumms und dabei komplett kompromisslos. Wer Spaß am Einsatz eines Floyd Rose hat, der kommt hier natürlich voll auf seine Kosten, denn in Sachen Stimmstabilität ist das Teil einfach ungeschlagen. Divebombs, Upbends, das cat purr à la Steve Vai – welches Schweinderl hätten’s denn gern?

Das bleibt hängen

 

Kruspe macht keine Kompromisse, und so ist auch die preiswertere E-II-Version von Kruspes Custom-Knusper-Knifte ein Schlag in die Magengrube und somit die Waffe der Wahl, wenn es um knallharte Metalsounds mit komfortabelster Bespielbarkeit und erstklassiger Verarbeitung geht. Nix für Hobby-Jazzer und Freizeit-Blueser, für Metalheads perfekt. Nur der Burnt-Look, der muss einem dann noch zusagen.


Text: Siggi Harringer

Fotos: Christopher Przybilla

Die schwarzen Brandblasen sehen absolut realistisch aus

Die schwarzen Brandblasen sehen absolut realistisch aus